Üblicherweise stehen die Leihfahrräder der Deutschen Bahn am Straßenrand, angekettet an Laternen oder Zaunpfählen. Manchmal sieht man die silberroten Aluminiumrahmen auch in Kanälen oder Flüssen. Fast 4000 Räder hat die Call-a-Bike AG - eine Tochtergesellschaft der Bahn - in München, Berlin und Frankfurt verteilt, Hamburg und Köln folgen demnächst. "Da kommt es schon mal vor, dass ein paar Idioten sie in die Spree werfen", sagt Klaus Rutzmoser, der in Berlin die abgesoffenen Exemplare wieder herausfischt.Trotz der "Idioten": Das Geschäft mit den Leihfahrrädern läuft gut. 28 000 Kunden haben sich bei der Bahn als Radfahrer registrieren lassen. "Gerade bei dem schönen Wetter der letzten Wochen hatten wir bis zu 2500 Fahrten am Tag", sagt Philipp Reth, Chef von Call-a-Bike in Berlin. Und im Gegensatz zur Bahn auf der Schiene besticht die Pedaltochter durch einfache Handhabe und ein unkompliziertes Preissystem: pro Minute sechs Cent, BahnCard-Inhaber vier Cent, die Tagespauschale beträgt 15 Euro.Das Besondere: Der Kunde muss nicht zu einer Mietstation, sondern nimmt sich einfach ein Rad, das er am Straßenrand findet - alles was er dazu braucht, ist ein Handy. Jedes Rad ist mit einer kleinen Elektronikbox ausgestattet. Blinkt im Display ein grünes Licht, kann es entliehen werden. Per Handy empfängt der Kunde aus dem Call-Center einen vierstelligen Code, mit dem sich das Stahlschloss öffnen lässt. Das alles in 11,3 Sekunden. Auch die Rückgabe ist einfach: abstellen, Schloss einras-ten lassen, auf dem Display "Rückgabe" drücken, Code merken, anrufen, Code ansagen und die Straßennamen der Kreuzung durchgeben, an der das Rad steht. Bezahlt wird per Kreditkarte oder Bankeinzug. Sekunden später blinkt das Lämpchen für den nächsten Kunden. Nur in entlegenen Gassen - oder eben in der Spree - sammeln Mitarbeiter wie Rutzmoser die Räder ein und bringen sie an belebte Straßen, wo Kunden sie finden können.Erfinder des Call-a-Bike-Systems ist jedoch nicht die Bahn, sondern Christian Hogl. Als er 1995 noch Informatikstudent war und außerhalb von München bei seinen Eltern lebte, parkte er an verschiedenen S-Bahnhöfen vier klapprige Räder, damit er möglichst schnell in die City kam. Dabei kam der Student auf die Idee, mittels eines Handys die Ausleihe, Kontrolle und Abrechnung zu verbinden. Fünf Jahre später ging er mit knapp 2000 Rädern und einem Kapital von vier Millionen Euro an den Start. Doch nach sechs Monaten war das Geld weg, die Firma insolvent. "Wir waren viel zu billig, zwei Pfennig zahlten die Kunden damals für ein Fahrrad pro Minute", sagt Hogl heute. Die Kosten hatte er auch nicht im Griff. Allein die Herstellung der 2000 Räder verschlang zwei Millionen Mark, sein Call-Center logierte in teuren Innenstadt-Büros, und die Service-Telefonnummer war zwar für Kunden kostenlos, nicht aber für seine Firma.Nach der Insolvenz kaufte die Deutsche Bahn die Rad-Ruine und belebte sie wieder. Bahnchef Hartmut Mehdorn bezeichnet Radeln als "natürliche Fortsetzung des Bahnfahrens". Zwar ist das Geschäft noch nicht profitabel, doch die Umsätze sind inzwischen sechsstellig im Monat, und die Anzahl der Fahrten hat sich im letzten Jahr verdoppelt. In erster Linie sollen "die Räder ein positives Image transportieren", sagt Call-a-Bike-Chef Reth. Und das kann die Bahn gut gebrauchen.