Ordnung, Fleiß, Betragen – immer mehr Länder bewerten im Zeugnis, wie ein Schüler arbeitet und sich anderen gegenüber verhält. Kopfnoten (so genannt, weil sie einst über allen anderen Noten, "am Kopf" der Zeugnisse thronten) erleben eine Renaissance. In Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es sie schon lange, das Saarland und Sachsen folgten vor drei Jahren. Jetzt ziehen Thüringen und Sachsen-Anhalt nach. Niedersachsen verwendet statt Ziffern Formulierungen. Mit der Kopfnote verbinden sich verschiedene Erwartungen: Die einen wollen sie als Disziplinierungsinstrument – andere, weil es in der heutigen Arbeitswelt neben der fachlichen Ausbildung auf soziale Tugenden wie Teamgeist, Selbstständigkeit und Kreativität ankomme.

In Umfragen sprachen sich die Deutschen mit großer Mehrheit für Kopfnoten aus. Dass sich auch Schüler eine Bewertung ihres Verhaltens wünschen, zeigte eine Umfrage des Vereins Bildung und Erziehung vor einigen Jahren in Nordrhein-Westfalen. Über 80 Prozent der Schüler in den Klassen fünf bis zehn waren für eine Bewertung auf dem Zeugnis in Form von Ziffern oder Kurzbeschreibungen.

Auch die Wirtschaft ist für Kopfnoten. Drei von vier Unternehmen wünschen sie sich, ergab eine Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Sie möchten von einem Lehrstellenbewerber nicht nur erfahren, was er in Deutsch oder Mathe kann, sondern ebenso, ob er pünktlich und hilfsbereit ist und wie er mit anderen zusammenarbeitet.

Unter Wissenschaftlern dagegen ist das Instrument umstritten – zu pauschal, wenig aussagekräftig, anfällig für die Willkür der Lehrer, lautet die Kritik. Außerdem erführen die Schüler nicht, was genau sie ändern sollten. Alternativen zur Kopfnote sind gesonderte Beurteilungsbögen, auf denen der Lehrer verschiedene Aussagen zum Verhalten der Schüler ankreuzen kann; zum Beispiel, ob ein Schüler in Sachen Zuverlässigkeit "besondere Anerkennung verdient", "die Erwartungen erfüllt", "die Erwartungen mit Einschränkungen erfüllt" oder "die Erwartungen nicht erfüllt". Solche Bögen gibt es zum Beispiel in Bremen und Brandenburg. nk