In der publizistischen Aufarbeitung des 11. September haben sich drei Schulen herausgebildet: die dokumentarische, die konspirologische und die, wenn man so will, ideologiekritische. Anders ausgedrückt: Es gibt Bücher darüber, was wir über die Terroranschläge wissen, Bücher darüber, was wir nicht über sie wissen, und Bücher darüber, was wir über das Denken der Washingtoner Herrscher wissen sollten. Reichlich Stoff für jeden Geschmack.

Beginnen wir mit den Tatsachen, genauer gesagt, mit zwei journalistischen Kraftakten. Den einen stemmte die Spiegel- Redaktion; sie setzte ein Heer von Reportern in Bewegung, die monatelang mit kriminalistischem Aufklärungseifer zusammentrugen, was sie an Fakten über den Terrorangriff zu fassen bekamen. Die Herausgeber Stefan Aust und Cordt Schnibben haben daraus das deutschsprachige Dokument über den 11. September gemacht. Das Handlexikon zum Tag, der die Welt veränderte, liegt jetzt in aktualisierter Form als Taschenbuch vor: 11. September – Geschichte eines Terrorangriffs . Eine weitere bedeutende Rechercheleistung haben Oliver Schröm und Dirk Laabs vorgelegt. In Tödliche Fehler – Das Versagen von Politik und Geheimdiensten im Umfeld des 11. September zeichnen die beiden Journalisten akribisch nach, auf welch fatale Weise deutsche und amerikanische Geheimdienstler die Bedrohung durch islamistische Fanatiker unterschätzten. Schon drei Jahre vor den Anschlägen standen einige der Terroristen unter Beobachtung. Ihre Brandreden von Heiligem Krieg und Märtyrertum aber verbuchten die Behörden als "Maulheldentum".

Bloße Untätigkeit der Geheimdienste soll den 11. September möglich gemacht haben? Nein!, schreit uns Mathias Bröckers , ehemals bekennender Verschwörungstheoretiker, in seinem neuen Buch entgegen. Ein "gigantischer Skandal" stecke hinter dem "unaufgeklärten Massenmord". Immerhin, Bröckers tut in seinem neuen Werk Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9. nicht mehr so, als kenne er die vermeintlich verborgene Wahrheit hinter den Anschlägen. Deren Klärung will er getrost den "ehemaligen Nachrichtenmagazinen" überlassen. Aber er ist sich so sicher wie kein Zweiter: Da ist was faul an der "offiziellen Version". Was bleibt, sind Fragen, viele Fragen, und noch mehr Internet-Hinweise.

Auf Forschungsreise in die Innenwelt des George W. Bush und anderer "Ultrakonservativer im Weißen Haus" hat sich der Sachbuchautor Eric Laurent begeben. Bush, legt er uns dar, ist ein Produkt des Bible Belt, die Heilige Schrift sei das erste Buch, das er von Anfang bis Ende durchgelesen habe. Der konservative Eifer des spät Bekehrten äußere sich im Inneren als Abbau sozialer Sicherheit, nach außen als geopolitische Mission: Die neue Welt des George W. Bush .

Bibliografien:

Stefan Aust/Cordt Schnibben (Hrsg.): 11. September – Geschichte eines Terrorangriffs

dtv, München 2003; 287 S., 12,50 Euro

Oliver Schröm/Dirk Laabs: Tödliche Fehler – Das Versagen von Politik und Geheimdiensten im Umfeld des 11. September

Aufbau-Verlag, Berlin 2003; 256 S., 19,90 Euro

Mathias Bröckers: Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.

Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2003; 336S., 14,90 Euro

Eric Laurent: Die neue Welt des George W. Bush

S. Fischer, Frankfurt am Main 2003; 224 S., 16,90 Euro