N achdem Günter Wallraff mit seinen Enthüllungsreportagen als "Türke Ali" im Westen für Furore gesorgt hatte, erschien das Buch "Ganz unten" 1986 als Lizenzausgabe in der DDR. Im selben Jahr wurden auch die drei "Bild"-Bücher Wallraffs in einem Sammelband vom Verlag Neues Leben veröffentlicht. Das Vorwort schrieb ein bekannter DDR-Medienwissenschaftler – Lothar Bisky, heute Vorsitzender der PDS:

"Die in diesem Band zusammengefaßten Arbeiten Günter Wallraffs zur BILD-Zeitung mögen Lesern aus der DDR fast wie Reportagen aus einer exotischen Welt anmuten. Zu fern scheinen – auf den ersten Blick – eine Boulevard-Zeitung wie BILD, zu fremd die ausgefeimten journalistischen Arbeitsmethoden, zu plump die Manipulation der Meinungen, zu zynisch die Praktiken der Manipulateure.

Dieser erste Blick trügt auf jeden Fall.

[…] Die Politik der Hochrüstung und Konfrontation wird begleitet durch ein wahres Wörter- und Bilderbombardement der Verdrehungen, der sogenannten Halbwahrheiten, der Lügen feinerer und abgeschmacktester Art. Stützen konnte und kann man sich dabei stets auf Instrumente wie die BILD-Zeitung.

So fern ist die Welt dieser Zeitung nicht. In der Nähe unserer Staatsgrenze ragt im Westberliner Häusermeer das Hochhaus des Springer-Konzerns heraus wie ein historisches Mahnmal zur Erinnerung, wohin dieser Konzern politisch wollte. ,Es begann‘, so schreibt Günter Wallraff, ,eine noch heute anhaltende Haß-Agitation gegen den Osten.‘

Das alles ist nicht ferne Geschichte. Im Sensationsdschungel der BILD-Berichte bleibt das Leitmotiv des Antikommunismus fest verankert und stets sichtbar. Die Zeitung, über die dieses Buch handelt, ist deshalb alles andere als harmlos.

[…] die Attacken von Wallraff und anderen [haben] Wirkung gezeigt. […] Dennoch bleibt BILD weiterhin aktiv als Vorposten der reaktionärsten Kräfte, dennoch betreibt sie weiterhin skrupellosen Antikommunismus und aktive Volksverdummung. Blätter wie BILD sind den Vertretern der Hochrüstungs- und Konfrontationspolitik immer noch willkommene (wenn auch stillschweigend verachtete) Mittel. Werkzeuge wie BILD sind insofern auch eine Gefährdung für Frieden und Völkerverständigung. […]

In der Weimarer Republik nahmen manche auch die Zeitungen des damals mächtigen Hugenberg-Konzerns nicht so ernst. Jene Blätter präparierten (im Zusammenhang mit anderen Einflüssen) die Leser. Die Nazis konnten ernten. Aus der Geschichte zu lernen heißt auch, die Lehren aus den Gefahren von Massenverdummung und Volksverhetzung zu ziehen. Gegen die antikommunistische geistige Mobilmachung in der Springer-Presse zu kämpfen bleibt eine wichtige Aufgabe."