Der Schal weht anmutig im Fahrtwind, sie lächelt glücklich. Doch werden ihre Lippen dabei schmal, und ihre Hand krampft sich ums Handtäschchen. Selbst die Bärchen, die auf ihren Kindersitz gedruckt sind, scheinen sich ein wenig zu fürchten – und doch ihren Spaß zu haben. Irgendwas am Sportcabrio trifft auf eine genetische Disposition, man sieht es bei meiner fünfjährigen Tochter. Wäre der Mensch nicht cabrioid, er könnte die Raserei nicht so genießen. Sie jedenfalls ist zu jung, um diese Fahrt mit dem Z4 allein aus Prestigegründen so wunderbar zu finden. Anders als ihr älterer Bruder übrigens, der sofort fragte: Ist das ein Angeberauto? (Natürlich ist es das, mein Junge, steig ein.)

Und die Angst? Sie gehört zum Vergnügen, und wem würde bei dieser Beschleunigung – von null auf hundert in sieben Sekunden – nicht etwas schwummrig. Für dieses wohlige Schaudern tut das Geschoss aber noch mehr, als nur schnell zu sein.

Es fängt an mit der Form. Ganz anders als bei seinem Vorgänger, der sich sogleich ins Auge schmeichelt und nur durch die Kiemen Aggressivität vorspielt, schneiden die Konturen des Z4 geradezu in den Blick. Man weicht zurück, fühlt sich zunächst auch ein wenig abgeschreckt von diesen Rasierlinien. Und da, wo dieses kleine Auto nicht scharf ist, nämlich vorn, da ist es ziemlich bullig. Der Z4 will partout nicht harmlos sein. Doch je länger man schaut, desto mehr Gefallen kann man an diesen unkonventionellen Linien finden, sie reizen zum Wiederhinsehen.

Zurückzucken lassen einen zunächst auch die Geräusche. Natürlich, Limousinen machen, was immer man an ihnen bewegt, stets nur Pffh, während Sportwagen bei Berührung klacken müssen. Das tut auch der Z4. Wenn man das Licht anschaltet: klack; wenn man einen Gang einlegt: klack; wenn man die Tür zuwirft: KLACK. Hier kann die übertriebene Klanghärte auch unangenehme Folgen haben. Das Kind zuckt zusammen auf seinem Kindersitz. (Dürfen kleine Kinder in einem Zweisitzer eigentlich vorne sitzen?) Und sie kann zu Prestigeverlust führen. Um einen Berliner Taxifahrer zu zitieren, der ja nur eine verschärfte Form des Berliners an sich ist, der ja nur eine verschärfte Form des Menschen schlechthin ist: "Hört sich ja an wie bei nem Lkw", ruft er von der Gegenfahrbahn herüber, mit wegwerfender Handbewegung und angewidertem Gesichtsausdruck.

Doch da man mit dem Z4 schon nach kurzer Zeit eine tiefe Verbundenheit verspürt, lasse ich als Antwort auf diese Beleidigung ordentlich den Motor auf-, ja was: -jaulen? Nein, aufspielen. Dieses Auto röhrt wunderbar fett im Stand-Bass und dann immer energischer bis zum hohen Beschleunigungs-C. Das erinnert sentimentale Zuhörer an die BMW-Motorräder aus der frühen Jugend.

Das Motorengeräusch, die Form und die Beschleunigung sind nicht die einzigen Argumente, mit denen der Z4 einen minimalen Schutzreflex gegenüber einem Berliner Taxifahrer in einen veritablen Kaufwunsch zu verwandeln versucht.

Der für einen Roadster recht große Kofferraum flüstert einem zu: Zwei Wochen in den Bergen oder an der Küste, das wäre doch was? Irgendwie muss dieses Signal auch bei meinem Sohn angekommen sein, dem Sechsjährigen, der spontan vorschlug, dass er und ich doch schön mit dem Z4 nach Süditalien in den diesjährigen Familienurlaub vorausfahren könnten. Und die Mutter mit den beiden Schwestern und dem größeren Gepäck im Volvo hinterher. Offenbar ist nicht nur die Neigung zum Cabrio angeboren, sondern auch der Hang zum Machismo.

Zu überzeugen versucht der Z4 nicht zuletzt durch die einfachen Armaturen. Es ist fast alles da, was man im Auto von heute so braucht oder zu brauchen glaubt, und man kann es dennoch überblicken. Die Entwicklung vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen scheint im Inneren dieses Autos fast vollzogen. Mit einer Ausnahme: Die Knöpfe für die elektronische Sitzeinstellung sind so angebracht, dass man sie nur bei geöffneter Tür bedienen kann, was bei hohem Tempo auf der Autobahn möglicherweise lebensgefährlich werden könnte. Lästig ist es selbst im Stand.