Galina Dursthoff (Hg.): Rußland. 21 neue Erzähler - Deutscher Taschenbuchverlag, München 2003 - 285 S., 9,50 e

Es heißt, in Russland seien die Uhren auf null zurückgestellt worden. Es heißt, eine neue junge Generation von wilden Literaten hielte jetzt Kehraus mit den Puschkins, Dostojewskijs und Brodskys, mit Klassik und Moderne. Zum Glück ist das nicht wahr. Die 21 neuen Erzähler, die hier mit Originaltexten auftreten, stehen wunderbarerweise noch immer fest auf dem schwankenden Boden des wodkaseligen Absurdistan, das wir seit Daniil Charms, Wenedikt Jerofejew und Dmitri Prigow als die Wiege der modernen russischen Literatur lieben gelernt haben. Zu entdecken sind großartige neue Erzähler wie Andrej Gelassimow, Anatoli Gawrilow und Pawel Krussanow.

Anna Achmatowa: Liebesgedichte - aus dem Russischen von Alexander Nitzberg - ausgewählt von Olaf Irlenkäuer - Insel Verlag, Frankfurt/M. 2003 - 122 S., 5,- e

Eine Frau, ein Leben, drei Lieben. Und sehr viele Liebesgedichte. Die junge Achmatowa schwärmt von den warmen Kissen, den Kerzen, dem weichen Haar des Ehemannes, später ist viel von Abschied die Rede, von finsteren Träumen und schneeweißen Leibern. Im Alter, wie es so geht (die große Dichterin ist unglücklich verliebt in den großen Sir Isaiah Berlin), sitzen die Liebenden sich gegenüber wie zwei stumme Bergesspitzen. Vom Bett zum Berg und leider nicht wieder zurück, das ist der Liebe Lauf, natürlich nicht nur in Russland.