Es muss Momente geben, in denen Monika Groner es nicht mehr gut aushält in Unterdießen. Wahrscheinlich hilft es ihr dann, dass sie von ihrem Schreibtisch auf Wiesen blickt, auf Weidezäune und grasende Kühe. Ihr altes Bauernhaus hat sie selbst hergerichtet. Den Pferdestall hat sie abreißen lassen, an seine Stelle hat sie ihr verglastes Arbeitszimmer gesetzt. Sie hat den Oleander davor in Kübel gepflanzt, die Glyzinie am Eingang und den Wein an der Seitenmauer, der viele Trauben trägt. Es wird wohl so sein, dass jedes dieser Dinge sie ein wenig glücklich macht; das größte Glück aber ist, dass sie in ihrem Rechtsanwaltsbüro weit weg ist von den Zerwürfnissen im Ort.

Natürlich würde sie das nie so sagen: dass ihre Idylle von Missgunst angefressen ist.

Es ist Sonntagmittag, Monika Groner sitzt auf ihrer Terrasse, eine Frau mit roten Fingernägeln und roten Haaren, 56 Jahre alt. Sie ist braun gebrannt aus dem Urlaub am Gardasee zurückgekehrt, um sich wieder ihrer Aufgabe zu stellen: als grüne Bürgermeisterin ein bayerisches Dorf zu regieren. So weit haben es nur vier Grüne in Bayern gebracht. Zweimal hat Monika Groner die Wahl gewonnen, mit mehr als 60 Prozent der Stimmen. So viel hat bisher nicht mal Edmund Stoiber geschafft – dem aber auch die Mehrheit der Unterdießener bei den vorigen Landtagswahlen ihre Stimme gegeben hat.

Herbstlicht ist aufgeflammt. Die Konturen der Scheune treten in kräftigen Farben hervor; die Schatten sind tiefschwarz. Die Kuhglocken scheppern, als wollten sie Monika Groner aufwecken aus ihrem Städtertraum.

Vor mehr als 20 Jahren ist sie aus München hergezogen, weil ihr der Apfelbaum neben der Scheune so gut gefiel, den sie bei einem Ausflug sah; er schwamm in einem Meer von blühendem Löwenzahn. Sie verlegte ihre Kanzlei von München nach Landsberg, ein paar Kilometer von ihrem Wohnhaus in Unterdießen entfernt. Geboren ist sie in Westfalen, aufgewachsen im Sauerland. In Bayern lebt sie seit 1968. An die Kuhglocken habe sie sich gewöhnt, sagt sie. Ihr Nachbar ist der letzte Bauer hier, der Glocken benutzt. Dabei können die Kühe gar nicht weglaufen, die Weide ist umzäunt.

Die Gemeinde Unterdießen, das sind 1300 Menschen in drei Dörfern. Das größte, Unterdießen, hat eine Schule, einen Kindergarten, einen Lebensmittelladen und sogar einen Theaterverein. Jeder fünfte Einwohner ist ein "Zugereister"; die meisten leben in den vier Neubaugebieten. Als der alte Bürgermeister vor sieben Jahren aus Altersgründen abtrat, war Groners Trumpf als Kandidatin ihre Herkunft: eine Rechtsanwältin von außen, die reden kann und nicht zu viele Rücksichten nimmt. Groner fand: "So einen Job muss auch mal eine Frau machen." Das war ihr Programm. Seitdem gibt es im Ort eine Art Kulturkampf.

Monika Groner lacht.

Ihre Gegner sagen, der Ärger liege nicht daran, dass sie eine Grüne ist