Die so oft wiederholte Forderung nach mehr Leistung, wie auch die Behauptung und der Glaube, dass Wettbewerb und Spitzenleistung sich lohnen oder lohnen müssten, gehören zu den zentralen Mythen unserer Gesellschaft. Die von den Medien dazu permanent inszenierten Wettkämpfe des Sports haben die Aufgabe, diesen Mythos vom fairen Leistungswettbewerb zu festigen, ihn im Sinne einer narzisstischen Bestätigung des kollektiven Selbst zu ästhetisieren und möglichst überall ins Bild zu setzen. Entsprechend wird das Scheitern einer Fußballnationalmannschaft in einem sehr weitreichenden Sinne als Kränkung des kollektiven Selbst erlebt. Dennoch ist nicht mehr zu übersehen, dass der Kampf um Glück, Geld, und Anerkennung von anderen Kriterien bestimmt wird als dem fairen Ringen um die Spitzenleistung. Daraus resultiert die vom Autor so sehr beklagte Müdigkeit der Leistungswilligen, die schon längst wissen, dass es sich für sie unter der Voraussetzung eines permanenten Doping-und Foulspiels gar nicht lohnen kann, in den strapaziösen Wettbewerb um die Höchstleistung einzutreten. Gleichgültig, ob wir in Wirtschaft, Politik, Kunst oder Wissenschaft blicken, das entspannte Lächeln und die eloquente Selbstinszenierung der Mittelmäßigen verhelfen offenkundig viel besser zu Glück, Geld und Anerkennung als Blut, Schweiß und Tränen der wirklich Tüchtigen.

Dr. Fedor Roth, Aachen

In Deutschland herrscht gegenwärtig kein Mangel an Jeremiaden. Wirtschaft und Politik, Kultur und Sport bewegen sich, traut man den Kommentaren, unaufhaltsam dem Abgrund entgegen. Vielleicht fehlt hierzulande auch ein Tick Bescheidenheit.

Dr. Ulrich Sieg, Marburg

Gerade sind die Ruderweltmeisterschaften in Mailand zu Ende und Deutschland hat einmal mehr als erfolgreichstes Land abgeschnitten. Wie müssen sich die vielen Medaillengewinner im Rudern vorkommen, wenn die ZEIT sie noch nicht einmal im Nebensatz als Zeichen deutschen Erfolges würdigt?

Peter Krebs, Weston/USA