Vor ein paar Jahren galten sie als großer Hit – die Medien-MBAs. Ohne sie schien in der Wirtschaft nichts zu gehen. Jungmanager konnten gar nicht schnell genug fürs digitale Zeitalter getrimmt werden. Man hatte ausgerechnet, dass in der Medienwirtschaft 1500 bis 2000 Führungskräfte fehlten. Medien-MBA-Programme vermitteln ihren Teilnehmern das Managementhandwerk für die Medienbranche. Oft richten sie sich an Akademiker, die schon ein paar Jahre Berufserfahrung mitbringen. Sie enden mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA).

Die private Steinbeis-Hochschule in Berlin begann mit dem speziellen MBA schon 1999. Jeden November startete sie mit etwa 20 Studenten einen neuen Studienjahrgang. 2002 musste sie trotz Krise bei gleich bleibenden Anforderungen halbjährlich Studenten aufnehmen, weil die Nachfrage so groß war. Medien-MBA-Programme unterschiedlichen Zuschnitts wurden allenthalben aufgelegt.

Ein feines internationales Programm entstand an der Universität St. Gallen unter der Leitung des bekannten Kommunikationswissenschaftlers und Medienexperten Peter Glotz. Das Institute for New Media and Communications Management (MCM) hatte weltweit um Studenten geworben. Sie mussten mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. 47 von 140 schafften die Aufnahme. 50000 Franken kostet die elfmonatige Ausbildung; ein Drittel der Teilnehmer konnte das Studium mithilfe von Stipendien aus der Industrie aufnehmen.

Das war 2001. Wie geht es dem St. Galler Institut heute? "Wir haben uns ganz gut gehalten", meint Peter Glotz. Natürlich sind die Bewerbungen rückläufig, die Zahl der Aufgenommenen bei gleich bleibenden Aufnahmekriterien auch – 35 sind es gegenwärtig. Dabei spielen die Studiengebühren keine unbedeutende Rolle: Die Selbstzahler müssen viel Geld ausgeben und verdienen ein Jahr lang nichts; gleichzeitig sei es, so Glotz, "sehr viel schwerer geworden, Stipendien in der Industrie zu erbetteln". Glotz will freilich nicht auf die Förderung etwa interessierter Rumänen oder Vietnamesen verzichten – also bettelt er unerbittlich weiter.

Der Kommunikationswissenschaftler, der mittlerweile das "New" aus dem alten Titel gestrichen hat, sieht die Zukunft des Spezial-MBA immer noch positiv. Corporate Communication, die Kommunikationsarbeit der Unternehmen, höre nicht auf: "Die großen Firmen, ob Post, BMW oder Siemens, brauchen Kommunikationsspezialisten."

Der Vorzug des St. Galler MBA ist erstens seine internationale Ausrichtung, zweitens seine Einbettung ins klassische MBA-Programm einer Business-School und drittens die enge Betreuung durch die Dozenten. Das können staatliche Universitäten normalerweise nicht leisten. Die kantonale und damit staatliche Hochschule St. Gallen hatte von Anfang an für das Medieninstitut potente Sponsoren in der Nixdorf- und der Bertelsmann Stiftung gefunden.

Auf der Suche nach Doppelbegabungen

In St. Gallen schafft man Internationalität vor allem durch Studenten und Dozenten aus aller Welt. Im Medienprogramm der Steinbeis-Hochschule setzt man auf verschiedene Studienorte. Es gibt Beziehungen zur Mailänder Business School SDA Bocconi und zur New York University. Während das St. Galler MCM Institut ein elfmonatiges Präsenzprogramm bietet, ist das Studium an der Steinbeis-Schule berufsbegleitend; es zieht sich über vier Semester oder insgesamt 22 Studieneinheiten à drei Tage sowie vier Einheiten à sechs Tage hin. Die längeren Studiensequenzen finden in New York an der Stern School of Business und in Mailand an der SDA Bocconi statt. Pro Semester kostet das fast 7000 Euro. Ein Drittel der Studenten werden von ihren Firmen gesponsert – ein auffälliger Rückgang. Vor der Krise waren es fast zwei Drittel.