München

Am Eingang der Münchner Olympiahalle verteilen zwei leicht beschürzte Frauen in weiß-blauen Bikinis Erfrischungstücher mit der Unterschrift von Edmund Stoiber. Am Devotionalienstand kann man den bayerischen Löwen als Tattoo zum Aufkleben erwerben, zehn Stück für zwei Euro. Vor der blauen Stellwand mit dem CSU-Logo hat sich die Blaskapelle der Jungen Union aus Donau-Ries postiert, zwei Dutzend Jugendliche in Jeans und Turnschuhen intonieren traditionelles Liedgut (Stelldichein in Oberkrain). So inbrünstig blasen die jungen Frauen und Männer in ihre Hörner und Posaunen, dass einem gleich die Generationenstudie der Hanns-Seidel-Stiftung in den Sinn kommt, der zufolge 69 Prozent der 16- bis 34-Jährigen im Freistaat auf die Frage, was "typisch bayerisch" sei, antworten: Brauchtum, Dirndl und Oktoberfest.

Später, im großen Rund der Olympiahalle, werden RTL-"Superstar" Gracia singen und Peter Kraus. Und der bayerische Ministerpräsident wird den Zusammenhalt von Jung und Alt beschwören, er wird einmal mehr vom "Mythos Bayern" schwärmen, von den Verdiensten seiner Landesregierung und von der Sorge, die vor allem der jüngeren Generation gelte. Edmund Stoiber, so viel kann man sagen, ist in diesem Wahlkampf – dem zweiten, den er binnen eines Jahres führt – wieder ganz bei sich. Er darf mit den Händen fuchteln, sinnfrei Satzteile häufeln und muss sich, anders als noch vor einem Jahr im Bund, nicht mehr verstellen. Stoiber besucht diesmal keine Szene-Diskotheken, in denen er das Bier aus der Flasche trinkt, und er hat auch keine 28-jährigen Frauen für ein Schattenkabinett nominiert. Nein, in Bayern sind Stoiber und die CSU ohne all das erfolgreich – gerade bei den Jungen.

Wer den scheinbar unabänderlichen Erfolg der CSU verstehen will, sollte einen Blick auf ebendiese Jungen werfen. Schließlich ist das die größte Leistung der CSU: Auch nach mehr als vier Jahrzehnten ungeteilter Macht regiert die Partei, ohne große Spuren von Verschleiß zu zeigen, ein Befund, an dem die ein oder andere Affäre nichts Grundsätzliches ändert. Offensichtlich gelingt es der CSU besser als anderen politischen Großorganisationen, sich von Zeit zu Zeit zu erneuern.

Konservativ? Na und!

Auch für Bayern gilt, was die Jugendforscher in den vergangenen Jahren beobachtet haben: Die Distanz der Jugendlichen zu den politischen Institutionen wächst; das Vertrauen in die Parteien sinkt; die Wahlbeteiligung der Jungen ist vergleichsweise gering. Doch von denen, die zur Wahl gehen, stimmt in Bayern regelmäßig etwa die Hälfte für die CSU. Bei der Bundestagswahl 2002 gaben in Bayern fast 54 Prozent der Wähler zwischen 18 und 35 Jahren den Christlich-Sozialen ihre Stimme – ein Traumergebnis. Bundesweit erreichte die Union in derselben Altersgruppe gerade ein Drittel der Wähler.

Die Junge Union (JU) verzeichnet in Bayern zurzeit rund 33500 Mitglieder. Damit hat die CSU in Bayern fast halb so viel Nachwuchs wie die SPD im ganzen Bundesgebiet. Und während der CDU und der SPD die unter 35-Jährigen in Scharen davonlaufen, hat ihre Zahl in der CSU seit 1994 sogar wieder leicht zugenommen (siehe Grafik). Schließlich sitzen in der CSU-Landesgruppe im Bundestag seit der Wahl im vergangenen Jahr 12 Abgeordnete, die jünger sind als 35 – 12 von insgesamt 58 CSU-Vertretern, auch das ist eine bemerkenswerte Quote. Nicht immer ist der Erfolg der Jungen das Ergebnis gezielter Nachwuchsförderung; oft spielt der Zufall eine Rolle. Dennoch stellt der Vorsitzende der JU Bayern, Manfred Weber, zufrieden fest: "So eine breite Aufstellung hatten wir noch nie."

Dorothee Mantel ist mit 14 Jahren in die JU eingetreten; heute, mit 25 Jahren, sitzt sie für die CSU im Bundestag. Sie kommt aus Ebelsbach, einem kleinen Ort mit 4000 Einwohnern in Unterfranken. Ihr Vater war Bürgermeister; als sie sich selbst engagieren wollte, stellte sie fest: "Die von der JU waren die Einzigen am Ort, die überhaupt etwas gemacht haben." Also zog sie mit der Gruppe los, reparierte Spielplätze, reinigte den Bachlauf, organisierte eine Ausstellung gegen Drogen. Erst später kam Weltanschauliches hinzu.