Trotz der Schwierigkeiten auf dem deutschen Markt galt bis vor kurzem das internationale Kreditkartengeschäft praktisch als Lizenz zum Gelddrucken. So machte der Finanzkonzern American Express im Banken-Krisenjahr 2002 einen Gewinn von 2,7 Milliarden US-Dollar, rund 80 Prozent davon stammen aus dem Geschäft mit der American-Express-Kreditkarte. Wie viel die beiden Branchenriesen Visa und Mastercard verdient haben, bleibt im Dunkeln. Weil die Unternehmen nicht börsennotiert sind, werden keine Gewinne bekannt gegeben.

Doch die Finanzreserven des Kreditkarten-Oligopols sind wohl immens - sonst wäre es beispielsweise Visa und Mastercard nicht möglich gewesen, in einem Rechtsstreit mit amerikanischen Einzelhandelskonzernen einen milliardenschweren Vergleich anzubieten. In dem Kartellverfahren ging es um die Gebühren, die die Kartenorganisationen von Händlern für die Abwicklung des bargeldlosen Bezahlens verlangen. Handelskonzerne wie Wal-Mart und Sears warfen den beiden Kartenanbietern vor, ihre dominierende Marktstellung auszunutzen, indem sie überhöhte Gebühren für die Abwicklung kassierten und mit Ausschlussklauseln andere Kartenanbieter systematisch aus dem Markt drängten. Um sich aus den negativen Schlagzeilen zu bringen, lenkten die beiden Kreditkarten-Giganten ein. Mastercard zahlte den Händlern freiwillig eine Milliarde US-Dollar Entschädigung, Visa das Doppelte.

Nun gerät die Abwicklungsgebühr für die Händler, im Fachjargon "Interchange Fee" genannt, auch in Europa ins Visier der Kartellbehörden. So untersucht die britische Wettbewerbsaufsicht Office of Fair Trading (OFT) derzeit, ob die Höhe der Interchange Fee bei Mastercard gerechtfertigt ist. Konkurrent Visa hat sich zwischenzeitlich mit der EU-Wettbewerbskommission darauf geeinigt, die Gebühr für die Händler bei grenzüberschreitenden Zahlungen bis zum Jahr 2007 um die Hälfte zu reduzieren.