Sie waren noch nicht im Urlaub? Sie haben auch nichts gebucht in nächster Zeit, weil, nun ja…? Das macht nichts. Nein, wirklich. Die Zeiten sind vorbei, in denen Leute in Ihrer Lage sich im Keller verbarrikadierten und von Dosenfutter nährten, der Nachbarn wegen. Die wissen selbst, dass man sich mit Heimurlaub jede Menge Geld, Stress und Kakerlaken erspart, warm genug ist es bei uns neuerdings ohnehin. Nun ja, sagen Sie, mag sein, aber in einer Pension oder in einem Hotel ist es doch wesentlich erholsamer als zu Hause.

Da gibt es eine einfache Lösung. Machen Sie Ihre Wohnung zum Hotel. Und werden Sie Ihr eigener Gast.

Entrümpeln Sie!

Ein gutes Hotel besticht durch Großzügigkeit. Ihre Wohnung ist vermutlich bescheidener dimensioniert, doch selbst der kleinste Raum wirkt umso großzügiger, je leerer er ist. Entfernen Sie alles Überflüssige: Weg mit nutzlosen Kleinmöbeln, höflichkeitshalber aufbewahrten Geschenken, Zeitungsstapeln, Kümmerficus, Kuscheltieren, Verwandtenfotos, weg mit allem, was sich auf Schränken, Ablagen und unter Betten angesammelt hat. Sprachenkundige sollten währenddessen nicht nur der Ablenkung halber einen Fremdsprachenkurs ihrer Wahl hören (später mehr dazu). Wem es dennoch zu schwer fällt, sich von lieb gewordenen Dingen zu trennen, der engagiert einen Wohnungsentrümpler und geht zwei Stunden tapfer spazieren. Was trotz allem immer noch nicht entsorgt werden kann, deponiert man in Müllsäcken im Keller (nach Urlaubsende werden Sie nichts davon vermissen). Prüfen Sie anschließend die verbliebene Einrichtung auf Hoteltauglichkeit. Würde man die ramponierte Stehlampe Ihrer verstorbenen Tante in einer Hotellobby finden? Den karierten Duschvorhang in einem Hotelbad? Denken Sie daran, dass Ihre Tante sicher auch wollen würde, dass Sie sich in Ihrem Hotelurlaub gut erholen, und schaffen Sie die Zweifelsfälle zu den Müllsäcken. Ach ja: Wer authentisch urlauben will und das bisschen Mühe beim Ein- und Auspacken nicht scheut, lässt die Koffer in Reichweite.

Machen Sie den Flur zum Foyer!

Stellen Sie in der Nähe der Wohnungstür die Rezeption auf (steht kein alter Küchenschrank zur Verfügung, genügt ein auf zwei Holzböcke gelegtes Brett mit einem Vorhang davor). Platzieren Sie auf der Theke eine Auswahl von Prospekten über Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten in Ihrer Heimatstadt (gibt es beim Fremdenverkehrsamt) und einen Klingelknopf (gibt es in Hotels). Perfektionisten sägen in die Ablagefläche noch ein Loch für die Schlüsselrückgabe. Als Schlüsselbrett dient die Garderobe, Schlüsselanhänger aus Holz oder Messing sowie Schilder für die Zimmertüren gibt es in großen Heimwerkermärkten. Vor dem Kauf müssen Sie entscheiden, welches Niveau Sie für den kommenden Hotelurlaub anstreben: Je nachdem empfehlen sich für Wohn- und Essräume Bezeichnungen wie "Aufenthaltsraum" oder "Lobby", "Speiseraum" oder "Restaurant". Für das Bad gibt es geschwungene Männer- und Frauensilhouetten (bei zwei Bädern ist Geschlechtertrennung Pflicht), für die Abstellkammer die Bezeichnung "Privat" und für Kinder-, Schlaf- und Gästezimmer fortlaufende Nummern; besonders echt wirken übrigens dreistellige Zahlen ("101", "102", "103"). Bei Wohnungen mit wenigen Räumen kann man auch Abstellkammer, Küche oder Wandschrank mit Nummernschildern ausstatten. Einfach der Optik wegen an die Flurwand gelehnte numerierte Türen ohne Zimmer dahinter wirken dagegen nicht nur angeberhaft, sie können auch zu schmerzhaften Urlaubsunfällen führen. Installieren Sie zum Schluss genau in Kopfhöhe zwei oder drei schwachbirnige Wandlampen mit geblümtem Schirm, die man die Nacht über brennen lässt.

Richten Sie Ihr persönliches Hotelzimmer ein!

Betreten Sie nun Ihr Schlafzimmer, so, als beträten Sie ein Hotelzimmer zum ersten Mal. Inspizieren Sie das Bett. Ist es zu weich, oder quietscht es, sollte man je nach Urlaubsbudget unbedingt Abhilfe schaffen (neue Matratze/Brett/Ohrenstöpsel). Auch gemusterte oder grellfarbene Bettbezüge stören den Erholungseffekt: Das einzige Wohlfühlgeheimnis vieler Hotels ist schlichte weiße Bettwäsche, die Decke drittelgefaltet, das Kissen geknifft, alles gestärkt (troddelbehangene Tagesdecken und Zierkissen sollten seit der Entrümpelungsaktion verschwunden sein). Legen Sie auf den Nachttisch eine kunstlederne Infomappe mit Angaben zu Frühstückszeiten, Öffnungstagen des nächstgelegenen Hallenbads und dem Angebot des Spätrestaurants. Telefon und Bibel gehören zum Standard.