Wenn eine Band es für nötig befindet, bereits ihr zweites Album nach sich selbst zu benennen, muss etwas schief gelaufen sein. Ist die Selbstbetitelung doch ein Kunstmittel, zu dem gewöhnlich erst in den späteren Stadien einer Karriere gegriffen wird, meist als Teil einer großen "So sind wir wirklich"-Geste. Dazu muss man sich aber schon einen gewissen Ruhm erspielt haben.

Die britische Band Zoot Woman, die ihr neues Album schlicht Zoot Woman (Wall Of Sound/ Virgin) genannt hat, war einmal fast berühmt. Living In A Magazine hieß ihr vor zweieinhalb Jahren veröffentlichtes Debüt, doch trotz wunderbarer Melodien im Stil der Achtziger und allgemeinen Kritikerlobs wollte es niemand kaufen. Tragisch war das deshalb, weil der bevorstehende Weltruhm gewissermaßen Teil des Konzepts war. Die Güte des Songwriting, die ausgefeilte Vermarktungsoberfläche, die Zoot Woman aussehen ließ wie direkt vom Weltgeist auserkorene Wiedergänger der glamourösen Duran Duran - all das fiel in sich zusammen, als es der Band nicht gelang, dies Spielen mit den Zeichen des Erfolgs in reale Verkaufszahlen zu übertragen.

Eigentlich löst man sich nach einem Scheitern auf solch hohem Niveau auf.

Zoot Woman vergruben sich stattdessen anderthalb Jahre ins Studio und erfanden sich neu. Passend zu den veränderten Karriereumständen wird nun nicht mehr der schöne Schein besungen, es geht stattdessen um Gefühle der Bedrängnis, der Melancholie. Zwar blickt man noch in den Spiegel, aber nur, um von dort innere Stimmen zu hören (Hope In The Mirror), und wenn es dann doch einmal vor die Tür geht, lauert draußen ein grauer Tag (Grey Day). Die musikalischen Bezüge zum Synthiepop der Achtziger sind zusammen mit Ironie und Euphorie verschwunden, geblieben sind die elegant geschnittenen Uptempo-Beats und die großartige Stimme des Sängers Johnny Blake, dem man seine jungenhafte Verzweiflung an einer Welt, die ihn nicht zum Superstar machen wollte, tatsächlich glaubt.

Das Überzeugendste an Zoot Woman ist allerdings ihre wohltuende Kürze. Die Platte erstreckt sich über gerade einmal 38 Minuten und 51 Sekunden, die klassische Albumlänge aus der Zeit vor Einführung der Compact Disc. Wo die meisten anderen Bands sklavisch an den technischen Vorgaben hängen und so lange Füllmaterial einspielen, bis die Silberscheibe voll ist, beschränken sich Zoot Woman auf zehn Songs. Es sind Songs, die einen angemessen auf einen Herbst vorbereiten, der von den Erinnerungen an einen großen Sommer leben wird.