So richtig spannend werden die ersten Hochrechnungen am Sonntagabend wohl nicht ausfallen. Bei den Landtagswahlen in Bayern gibt es einen haushohen Favoriten und einen bedauernswerten Underdog. Wenn schon vorab alles so klar ist: Wie soll man da noch den Sieg feiern und die Niederlagen betrauern? Der Ethikrat sucht nach den Erfolgschancen von Siegern und Verlierern.

Ob Franz Maget, der Spitzenkandidat der bayerischen SPD, wohl Monty Pythons Film Die Ritter der Kokosnuss kennt? Dann würden ihm spätestens jetzt gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihm und einem dieser Ritter auffallen, keine äußerlichen, aber innerliche. Beide sind in einer schlimmen Lage, jedoch nicht verzweifelt. Der Ritter hat beide Arme verloren, will aber auch ohne sie munter weiterkämpfen, zum Beispiel durch gezieltes Spucken. Auch Maget kämpft, wenn auch ohne Spucken, mit viel Geduld weiter. Magets großes Handicap scheint zu sein, dass die Wähler in Bayern ihn nicht kennen. Sicher ist nur, dass die CSU siegen wird, mit voraussichtlich gut 60 Prozent der Stimmen; und dass die SPD verlieren wird, und zwar, so die Experten, mit voraussichtlich 22 Prozent.

Kann man da noch von Wahl kampf sprechen? Und wären 60 Prozent etwa ein Wahl sieg? Das wirkt doch eher wie ein Niederwalzen, wie ein Unfall mit einem Schwerverletzten. In einer Demokratie soll doch alles fair und chancengleich zugehen, ganz besonders eine Wahl. Wäre 60:22 denn noch fair? Das gibt’s vielleicht mal im Basketball.

Apropos Fairness. Der Gerechtigkeitstheoretiker John Rawls meinte, schon im Naturzustand, also lange vor Einführung der Demokratie, wüssten die Leute ganz genau, was fair und unfair sei. Auch die Bayern sind fair, sie würden nur dann jemanden nicht wählen, wenn er seine Sache schlecht gemacht hat. Halt, da kann doch irgendwas nicht stimmen. Der Maget hat noch gar nichts schlecht machen können. Sie müssten ihn doch erst einmal wählen, damit er etwas schlecht machen kann, um ihn dann auf faire Weise erst später nicht zu wählen.

Die CSU hat letztlich ein viel größeres Problem als die SPD, wenn es so kommt, wie es nach Meinung der Experten kommen muss. Eine so stolze und starke Partei wie die CSU würde doch am liebsten gegen einen richtigen Gegner einen echten Sieg hart erkämpfen. Bei einer derart erdrückenden Überlegenheit ist ein richtiger Sieg gar nicht möglich. Dafür braucht es keine echten Männer, das kann doch jeder. Das ist das Problem der CSU.

Wie kann sie es lösen? Es gibt ein sehr altes Fairness-Rezept, das schon die Helden der Antike, wenn jemand zuschaute, beherzten: Man schenkt dem hoffnungslos Unterlegenen das Leben. Leider hilft dieses Rezept weder der CSU noch der SPD, obwohl viele zuschauen, weil es ja nicht um Leben und Tod, sondern nur um eine Wahl geht.