Was schnaufen Sie so, haben Sie was?, fragt die Richterin den Angeklagten, der lautstark seiner Empörung Ausdruck verleiht. Nein, nichts, ich habe nichts, aber was dieser Koreaner da erzählt… Dann hören Sie doch bitte auf zu schnaufen, Herr Schneider, es ist vor Gericht üblich, dass der Zeuge seine Version vorträgt.

Der Taxifahrer Hans-Joachim Schneider wird beschuldigt, den Taxifahrer Tan Tui blutig geschlagen zu haben. Es war eine Art Erziehungsmaßnahme, der Ausländer sollte kapieren, wer der Herr im Haus ist. Das Geschäft geht schlecht, die Konkurrenz ist hart, bemerkt der Verteidiger des Angeklagten. Sein Mandant stimmt ihm zu: Von vier Uhr früh bis mittags bin ich heute gefahren, 28 Euro habe ich eingenommen.

Grund des Streits zwischen dem deutschen und dem koreanischen Taxifahrer war eine Kundin. Sie stieg zu Schneider ins Auto und wollte von Tegel nach Schönefeld. Kurz nach der Anfahrt sagte sie, dass sie nicht mehr als 25 Euro bezahlen könne. Für so was hat Schneider kein Verständnis, wo kämen wir denn hin, wenn jeder bezahlen will, was er kann; einer wie er kennt da kein Pardon, Schneider schmiss die Frau raus. Die wandte sich an den nächsten Taxifahrer. Fahr sie nicht!, schrie Herr Schneider, Herr Tui fuhr sie doch. Ist Pflicht, sagt mit heller, hoher Stimme der Zeuge Tui.

Genau das hatte dem altgedienten Taxi-Driver von Tegel die Wut in den Bauch getrieben. Er fasste den Plan, dem ungehorsamen Konkurrenten einen Denkzettel zu verpassen.

Zwei Tage später schnappte sich der große Schneider den kleinen Tui. Du Arschloch verstehst wohl kein Deutsch – er langte durch das runtergekurbelte Fenster der feindlichen Taxe. Große Taxifahrer hat mir dreimal mit Faust ins Gesicht geschlagen, Lippe blutete, berichtet der magere Mandeläugige. Ich versuchte auszusteigen, aber große Taxifahrer schlug weiter, Frau Richterin. Tui gegen Schneider – es ist, als wollte eine Hand voll Reis mit einer Kalbshaxe konkurrieren.

Ich vergreife mich doch nich an so ’nem Würstchen, ich hab ihn nur geschüttelt, behauptet Hans-Joachim Schneider, ein massiger Mann mit rotem Gesicht und grauen Locken, die am Hinterkopf zur Elvis-Ente gestriegelt sind. Dass er sich sehr wohl vergriffen hat, bestätigt nicht nur ein vietnamesischer Kollege des Herrn Tui, sondern auch eine Polizeibeamtin, die zufällig vor Ort war und bei der das Opfer seine Verletzung angezeigt hatte.

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft, also bleibt es für dieses Mal bei einer Geldstrafe. Das Gericht erkundigt sich nach seinem monatlichen Einkommen. 900 Euro netto, gibt Schneider an, jeder Sozialhilfeempfänger hat mehr als ich, klagt er. Gegen solche Aussage steht die auffallend teure Kleidung des Taxifahrers, er sieht aus wie ein Fahrgast, der seinen Mercedes heute mal in der Garage gelassen hat, weil ein Sekt-Empfang ansteht. Schneider mag ein eitler Mann sein, wahrscheinlicher ist, dass er sich so schön angezogen hat, um sich hier abzuheben von der ärmlichen Konkurrenz in Hemd und Hose. Der trägt handgenähte Schuhe, sagt die Richterin in der Verhandlungspause.