Als der CDU-Nachwuchspolitiker Philipp Mißfelder im Sommerloch eine Debatte über künstliche Hüftgelenke für 85-Jährige anzettelte, ließ sich das noch als Ergebnis von Geltungsbedürfnis und Wichtigtuerei eines zu Recht unbekannten jungen Mannes deuten. Ein schriller Ausreißer, so schien es, und ein Blick auf die Neuerscheinungen zu den Themen "Alter" und "Demografie" bestätigt diesen Eindruck: Da finden sich neben zahlreichen Sachbüchern diverse melancholische Betrachtungen über das Älterwerden, aber wenig billige Polemik.

Es gibt allerdings Ausnahmen, und eine besonders ärgerliche präsentiert der 1966 geborene Betriebswirt und Finanzdienstleister Bernd Klöckner. Sein Buch über die Gierige Generation ist eine krude Mischung aus Vorsorge-Beratung, pauschaler Politikerschelte und Stimmungsmache gegen die "Rentnerschwemme". Schon im Klappentext erfährt der Leser, Altersarmut der jungen Generation könne nur vermieden werden, wenn die Alten ab sofort weniger Geld bekämen. "Die Renten müssen runter!", heißt es, "und zwar sofort!"

Von der Politik erwartet der Autor wenig Unterstützung, er hält die Mehrheit der Volksvertreter für unfähig, wenn nicht korrupt. "Unsere Spitzenpolitiker leben in einer Kunstwelt, die aus Vermerken und Geschöntem, aus Lobbyisten-Einladungen und Veranstaltungen der eigenen politischen Klasse besteht", schreibt er und fordert deshalb sogar zur Verweigerung bei der nächsten Bundestagswahl auf. Eine passende Erklärung, die der Leser offenbar fotokopieren und in die Wahlurne einwerfen soll, ist im Buch enthalten – genauso übrigens wie die Internet-Adresse der Abgeordneten Claudia Nolte (CDU). Klöckner wünscht sich, dass zahlreiche Leser die frühere Familienministerin per E-Mail wegen ihrer umfangreichen Altersversorgung beschimpfen: "Dort können Sie Ihren Frust über die großzügigen Pensionsgeschenke an die Volksvertreter ablassen."

Nicht alles ist falsch, was Klöckner an Ungerechtigkeiten in der Beamten- und Politikerversorgung und an Mängeln in der staatlichen Rentenpolitik aufzählt. Ohne zusätzliche private Vorsorge wird sich der Lebensstandard künftig im Alter nicht halten lassen – und vermutlich bekommen viele der heute Jungen nicht viel mehr als ihr Eingezahltes aus der Rentenversicherung heraus. Nur helfen Mails an Claudia Nolte hier so wenig wie im Jammerton geschriebene Bücher über die "Rentnerschwemme". Im Gegenteil: Klöckners Generation dürfte sehr viel schlechter dran sein, falls der Umgang des Autors mit den Alten bis dahin stilbildend wirkt.

Das wäre nämlich das Schlimmste, was der Generation der heute 20- bis 35-Jährigen passieren kann: Dass die Beitragszahler von morgen sich so rücksichtslos verhalten, wie es Klöckner von den Beitragszahlern von heute fordert. Sie hätten noch am ehesten Grund dazu, denn die Arbeitnehmer müssen in Zukunft eine extrem große Zahl von Rentnern unterstützen. Das Jahr 2036 etwa dürfte besondere demografische Verwerfungen mit sich bringen. Dann ist Bernd Klöckner gerade siebzig Jahre alt.