Polen ist in Deutschland immer noch nicht verstanden. Aber Deutschland in Polen auch nicht - wir haben genauso wenig wohlwollendes Interesse an euch wie ihr an uns. Als Wirtschaftspartner schon, "the rest is" allerdings "silence". Zu unterschiedlich sind die geschichtlichen Schicksale, Mentalitäten, Kulturen. Wenn an Polen in Deutschland gedacht wird, kommt einem vor allem die polnische Wirtschaft in den Sinn und Polen als der Hort aller sonstigen Missgeschicke der Menschheit, kurz Mist, Schmutz und Armut.

Dazu noch der Anarchismus der Polen, ihre "unverständliche" Amerika-Liebe und desgleichen mehr. Wenn an Deutschland in Polen gedacht wird, denkt man wiederum unwillkürlich an die deutschen Massenmörder, Kriegsverbrecher, die SS-Division "Totenkopf", dann vielleicht an blinden Gehorsam, Disziplin und den Mercedes S-Klasse. Das sind die beinahe reflexartig hervorgerufene Stereotype, die diesseits und jenseits der Oder Geltung besitzen.

An zwei Punkten ist dem Autor zu widersprechen: wo er schreibt, die katholische Kirche habe zusammen mit der kommunistischen Macht die antisemitischen Stereotype bedient - und wo er schreibt, der polnische Papst sei unter anderem ein antimoderner Dogmatiker. Denn weder die katholische Kirche noch die kommunistische Macht waren durchweg antisemitisch - es gab in beiden antisemitische Elemente. So pauschal urteilen darf man nicht. Und wer das Werk von Karol Wojtyla kennt, dem kommt die Bezeichnung "antimodern" geradezu absurd vor.

Auch haben Preußen (später: das wilhelminische Deutschland), Österreich und Russland nicht "jahrhundertelang" Polen von der politischen Karte Europas verschwinden lassen, sondern "lediglich" für 125 Jahre.

Im Übrigen: Glückwunsch zum guten Beitrag.

Wojciech Zelaniec Zielona Gora/Polen