Unternehmenskultur zu definieren erscheint wie der sprichwörtliche Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Doch bei aller Vielfalt der Definitionen gibt es einen gemeinsamen Kern: Danach bildet die Summe der Grundüberzeugungen, die sich in einem Unternehmen entwickelt haben, die jeweilige Kultur. Diese Werte können den Führungsstil betreffen - zum Beispiel in Form eines ausgeprägten Hierarchiedenkens, das wenig Widerspruch zulässt. Oder sie beziehen sich auf strategische Fragen - wenn etwa in einem Unternehmen die Überzeugung verinnerlicht ist, dass Qualität und Präzision über alles gehen, oder eine Firma darauf gepolt ist, möglichst schnell jede Chance zu nutzen, um Marktanteile zu erobern.

Oft werden solche Grundüberzeugungen gar nicht explizit formuliert. "Zur Unternehmenskultur gehören Selbstverständlichkeiten, die denen nicht bewusst sind, die von ihr beeinflusst werden", sagt Rudolf Wimmer, Professor für Führung und Organisation an der Universität Witten/Herdecke. "Es ist wie das Wasser, in dem ein Fisch schwimmt, ohne es wahrzunehmen."

Diese Allgegenwärtigkeit der Kultur kann genutzt werden, um Mitarbeiter auf sehr wirkungsvolle Weise zu führen. "Denn im Gegensatz zu direkten Anweisungen kann man gegen so etwas wie den Geist des Hauses nicht protestieren", wie es Oswald Neuberger von der Universität Augsburg formuliert. Geert Hofstede von der Tilburg University hat deshalb den Begriff der software of the mind geprägt, der Programmierung des Denkens. Allerdings gilt das Phänomen Firmenkultur als so vielschichtig und so langsam veränderbar, dass es sich nicht beliebig, gewissermaßen auf Knopfdruck, einsetzen lassen dürfte.

Unternehmenskultur beschränkt sich auch nicht allein auf das Unbewusste.

Edgar Schein, Professor an der Sloan School of Management in Cambridge/Massachusetts unterscheidet drei Ebenen: Die erste umfasst die so genannten Prämissen - Grundüberzeugungen, die nicht mehr bewusst hinterfragt werden. Die zweite Ebene ist die der "bekundeten Werte", zu der etwa Führungsgrundsätze gehören, auf die man sich explizit beruft. Und schließlich gibt es die Ebene der "Artefakte", die alle sichtbaren Strukturen, Prozesse oder Umgangsformen beinhaltet. Nur nach einer sorgfältigen Analyse der Prämissen und der Artefakte, so Schein, lasse sich die Kultur eines Unternehmens verstehen. Und erst dann könne man auch prüfen, wie glaubwürdig die Prinzipien sind, die das Management für sich reklamiert.