Wenn Stoiber am Sonntag die Zweidrittelmehrheit kriegt, wird die Präsidialverfassung eingeführt, sagt die SPD. Mein Gott, die Präsidialverfassung! Das ist wie in Amerika, dann hat Stoiber wie Bush the power of the sword, dann ist Schluss in Bayern mit Gewaltenteilung, und darum geh ich auch gleich ins Hofbräuhaus. Genauer gesagt: in die "Schwemme"! Zur letzten Dichter dran- Kolumne am besten in die "Schwemme", denk ich mir, aber wie krieg ich nur das Ende der Kolumne mit Bayern und der Präsidialverfassung zusammen?

Sitze am "Stammtisch Herz und Pik As". Die Männer sagen nichts, sondern donnern nur Karten auf den Tisch und heben nach jeder Runde diese irrsinnigen Maßkrüge. Gegenüber sitzen die "Wolpertinger", keine Ahnung, wer die sind, ich hör nur, wie der eine in die Runde sagt: "Es hot nix Schön’res, ois wann der Motor lafft und der Diesel brrrrrummt" – wahrscheinlich unterhalten sie sich über BMWs. Alle haben Federn oder Schwänze am Hut und sitzen da wie die Weisen oder Könige mit Kronen. Sie sprechen ganz wenig, aber alles, was sie sagen, kommt bestimmt irgendwann als the power of the sword bei mir an.

Hinter den Wolpertingern sehe ich eine asiatische Großfamilie, vermutlich aus Bangkok. Sie essen Schweinsbraten oder versuchen die Krüge zum Mund zu führen; der eine denkt, der Bierdeckel ist ein Keks, und beißt hinein.

Es ist ja einfach, sich über die Bayern lustig zu machen, aber wenn man sich anguckt, wie die Asiaten später eine Brezel essen, als wär’s eine Hostie, dann kommt man doch ins Grübeln. Warum liebt das Ausland die Bayern? Warum spricht es, wenn es von Deutschland spricht, immer über Bayern?

Ich glaube, Lederhosen strahlen in unserer globalisierten Welt eine Ruhe, Beständigkeit und Power aus, die die umherhetzenden Asiaten betrachten wie wir ihre Tempel. Und wenn man sich die Wolpertinger so anguckt: Es geht denen doch auch gut? Ihr Diesel brrrummt, weil Bayern brummt.

Und dieses Zusammenrücken! Jeder muss seine Maß stemmen und beherrschen, aber sie tun’s gemeinsam. Ja, wenn unsere anderen Bundesländer längst endgültig bankrott sind, dann wird man hier noch sitzen und für das Ausland kollektive Klarheit ausdrücken, Stabilität und Sicherheit.

Man muss es nur mögen! So. Ich fasse allen Mut zusammen und sage mitten in den Stammtisch der Wolpertinger hinein: "Grüß Gott. Die Kolumne Dichter dran der liberalen Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT endet feierlich. Ich bitte Sie alle, mit mir anzustoßen!"