Ich möchte mich in die Diskussion über das in Berlin geplante "Zentrum gegen Vertreibung" einmischen, und zwar, um auf eine Sache aufmerksam zu machen, die – wie mir scheint – in den polnischen Diskussionen zu diesem Thema bisher nicht berührt wurde.

Zunächst ein Fragment aus meiner Autobiografie. Meine erste Begegnung mit der deutschen Zivilisation sah folgendermaßen aus: Im September 1939, mit knapp zwölf Jahren, befand ich mich in einer Gruppe von Personen, Zivilisten, die vor den deutschen Bomben nach Osten flohen. In einem Dorf in der Nähe des Bugs erwischte uns die deutsche Armee. Die Flüchtlinge hatten an Wertgegenständen mitgenommen, was sie konnten. Die deutschen Offiziere nahmen uns alles weg – einschließlich Uhren, Ringen und Ähnlichem. Sie nahmen alle Männer fest (zu denen ich damals noch nicht zählte) und sperrten sie in ein nahe gelegenes Gefängnis.

Aber sie kamen nicht dazu, sie umzubringen, denn gerade zu diesem Zeitpunkt fand eine große Schlacht statt, die sie verloren, und die Deutschen mussten fliehen. Die Verhafteten entkamen aus dem Gefängnis. Ich erinnere mich, dass spät in der Nacht, während noch alle durchsucht und beraubt wurden, meine alte Großmutter entkräftet, halb bewusstlos, auf dem Boden saß. Ein paar Offiziere traten hinzu, zeigten mit dem Finger auf sie und lachten laut über die alte Frau. Ich hätte die Soldaten umgebracht, wenn ich dazu in der Lage gewesen wäre. Natürlich war ich das nicht, aber ich bin mir sicher, dass wenig später andere diese Sache erledigten. Das war meine erste Begegnung mit der deutschen Zivilisation.

Eine andere fand ein paar Monate später statt, als die Deutschen uns aus den Gebieten deportierten, die dem Reich angegliedert worden waren. Zuvor hatten sie uns alles geraubt, was wir besaßen. Der Transport verlief unter etwas anderen Bedingungen als eine Fahrt mit dem Orient-Express. Dasselbe kann man mit Sicherheit über die Deportationen der Deutschen aus dem Sudetenland und aus den an Polen gefallenen Gebieten sagen.

Mehrdeutigkeit des Denkmals

Aber Raub und Deportation verdienen in Polen keine Leidensdenkmäler, sie waren nur der Auftakt zur Okkupation. Es wurden einige Millionen Menschen ermordet, Tausende von der Gestapo zu Tode gefoltert, Tausende sind in den Konzentrationslagern verschwunden oder wurden als Geiseln hingerichtet. Etwa drei Millionen Juden wurden vergast, von der Vernichtung des kulturellen Lebens und der Schulen gar nicht zu reden. Hitlers Idee zufolge sollten die Polen, nach der Ausrottung der gebildeten Schichten, zu Schweinehirten der Deutschen werden. Fast jede Bekanntmachung für die Polen endete mit den Worten "…bis hin zur Todesstrafe".

In Wirklichkeit gab es im Generalgouvernement keine Todesstrafen, ich habe nie gehört, dass jemand zum Tode verurteilt wurde. Die Deutschen verurteilten uns nicht zum Tode, sie ermordeten uns einfach. Ich wiederhole: Raub und Deportation verdienen in Polen, im Vergleich zu anderen Taten der Okkupanten, keine Leidensdenkmäler.

Verdienen denn die Deportationen der Deutschen solche Denkmäler, haben die Deutschen nicht auch Schmerzhafteres erlebt? Ganz zu schweigen davon, dass ein großer Teil der Umsiedler Leute waren, die ihre Häuser auf Anordnung der deutschen Behörden verließen oder vor der Roten Armee flüchteten.