In einem Wein-Spezial ein Votum für den Schraubverschluss abzugeben, mag manchem lästerlich erscheinen. Gilt doch allein der Plopp beim Entkorken schon als unverzichtbarer Bestandteil des Weinkonsums. Womit wir auch beim eigentlichen Thema sind, denn der ploppende Korken ist kein optimaler Verschluss: Der Korkschmecker mit seinen berüchtigten Muff- und Schimmelaromen befällt angeblich jede zehnte Flasche. Die Folge ist leider immer, dass der Wein im Ausguss landet. Das kurze Statement "Pro Schraubverschluss" soll nun ein wenig nachhelfen, dieser Verschwendung ein Ende zu bereiten.

Vor einer Prüfung der Internet-Quellen zum Thema sollte zuerst einmal die interne Datenbank Auskunft geben und - siehe da! - das Thema ist bei der ZEIT bereits kompetent behandelt worden: vor zwei Jahren durch Gero von Randow in der Online-Kolumne "Genießen". Dort erfahren wir dann unter anderem, dass der Korken nicht weniger künstlich als ein Drehverschluss ist und dass Wein auch nicht atmen darf: Total verkorkst

Dieser Genießen-Folge ist nun nicht mehr viel hinzuzufügen. Die eigentlichen Anforderungen an den Flaschenverschluss - den Wein vor Verdunstungsverlusten und Luftsauerstoff zu schützen sowie geschmacksneutral zu sein - erfüllt der Korken nicht ausreichend. Aber neben den eher psychologischen Hindernissen für einen Wechsel zum Schraubverschluss (es gibt Menschen, die das Kork-Ploppen als sinnlich empfinden, außerdem scheinen vor allem die ahnungslosen Norddeutschen den Korken vorzuziehen) gibt es auch wirtschaftliche Hürden. So ist der Drehverschluss zwar billiger als der Korken, jedoch ist die Schraubverschlussmaschine wesentlich teurer als eine herkömmliche Korkmaschine.

Es geht nicht darum, den kostbaren und lang zu lagernden Weinen ihre porenarmen Edelkorken zu verweigern. Aber die ordentlichen Trinkweine, ob für den Essensbesuch oder den Alltag, sollten anständig verschlossen sein. Heute findet man den Drehverschluss viel auf den Literflaschen sogennannter Schoppenweine. Dabei wäre der Liter auch noch mal ein Kampagnenthema, konsequenterweise am besten unter dem Titel "Pro Literflasche mit Schraubverschluss". Gefällt mir ein Wein, kaufe ich ihn lieber gleich in einer reellen Maßeinheit wie dem Liter und erspare mir dabei noch eine Menge Geschleppe. Aber dazu vielleicht später mehr...

Ein paar Hinweise zum Thema

Eine Studie: Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Eignung von Weinflaschenverschlüssen

Ein Kapitelauszug aus "Das neue Buch vom Frankenwein" von Alfred Schmitt, dem Leiter der Bayr. Landesanstalt für Weinbau u. Gartenbau, Würzburg: Naturkork oder Schraubverschluss? Nachzulesen im Weinportal www.wein-plus.de