Am Ende eines Wahlkampfs, der bizarre Züge trug, hat die SPD in Bayern sogar ihr Minimalziel verfehlt. Die CSU kann in den kommenden fünf Jahren mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Sitze im bayerischen Landtag regieren; die Sozialdemokraten rutschen unter die Marge von 20 Prozent – für eine vermeintliche Volkspartei ein schwer erträgliches Ergebnis.Aber auch wenn an diesem Abend im Münchner Maximilianeum immer wieder von einem historischen Erfolg der CSU die Rede war – eine Sensation barg das Ergebnis, das früh fest stand, gerade nicht. Im Gegenteil: dass die CSU die 60-Prozent-Marke überspringen würde, hatten die Wahlforscher seit Wochen vorhergesagt. Alles andere wäre auch in den eigenen Reihen – trotz aller gegenteiligen Beteuerungen – mit Enttäuschung aufgenommen worden. Und dass die SPD, gemessen an ihren vorhergehenden Ergebnissen, seit der Bundestagswahl im September 2002 Verluste im zweistelligen Bereich verzeichnet, konnte man bereits bei den Landtagswahlen in Hessen und in Niedersachsen Anfang des Jahres beobachten. Nein, bei allen Besonderheiten, die das politische Biotop Bayern auszeichnen, das Ergebnis vom Sonntag liegt bundespolitisch betrachtet durchaus im Trend.Entsprechend verhalten war die Stimmung in den Fluren der CSU-Fraktion. Auch Stoiber selbst gönnte sich keinen Augenblick des Triumphalismus. So klar die Zahlen an diesem Abend sprachen, so vage fielen die Andeutungen des bayerischen Ministerpräsidenten aus, was dieses Ergebnis für seine bundespolitischen Ambitionen bedeutet. Von einem "Misstrauensvotum gegenüber Rot-Grün" war die Rede; auch ein Signal an die CDU wollte der bayerische Ministerpräsident entdecken: "Wir sind gemeinsam stark und die Union ist stark." Heißt das, Stoiber spekuliert auf eine erneute Kanzlerkandidatur 2006?Falls dem so sein sollte, wäre Stoiber schlecht beraten. Denn außer ein paar Stimmen in der Bundesversammlung, die im kommenden Mai den Bundespräsidenten wählt, ändert das bayerische Ergebnis an den Berliner Machtverhältnissen nichts. Das "Signal", das Stoibers Erfolg nach Berlin sendet, ist ausschließlich psychologischer Natur und wird in zwei Jahren, wenn die Union erneut über einen Kanzlerkandidaten zu entscheiden hat, vergessen sein. Dass die CDU bei aller Zerstrittenheit ein zweites Mal in Folge der CSU den Vortritt lässt, ist unwahrscheinlich. Zumal Stoiber, so sehen sie das in der Schwesterpartei, seine Chance gehabt hat.Das Ergebnis vom Sonntag könnte sich also durchaus noch als ein Problem für die Union erweisen. Denn der Ministerpräsident Stoiber hat durch die Höhe des Erfolges Erwartungen geweckt (bei den Wählern und in der eigenen Partei), die der Bundespolitiker Stoiber zurzeit nicht erfüllen kann. "Es gibt keine unmittelbaren Ableitungen für die Bundespolitik", urteilte der scheidende CSU-Fraktionschef Alois Glück kühl. "An diesem Ergebnis wird die Bundesregierung nicht zerbrechen." Nach dem Triumph ist vor dem Kater – vielleicht hat Stoiber das geahnt, als er am Wahlabend von einem "einmaligen Tag" sprach.