Schauspielerei ist Prostitution. Das ist die offensichtlichste Aussage von Ja. Tu es. Jetzt., dem neuen Stück von Feridun Zaimoglu - sie trifft schon mal den Kern heutiger Fernseh-Casting-Shows. Eine naive junge Darstellerin spricht bei einer herrschsüchtigen Regisseurin vor und unterzieht sich dabei einer Gehirnwäsche. Als Bestandteil des Castings improvisieren die Figuren Eifersuchts-, Liebes- und Gewaltszenen aus dem Alltag, die stets aus sadomasochistischen Fantasien keimen oder elendig in ihnen enden. In der Uraufführung des Jungen Theaters Bremen entfaltet Nomena Struß die Mechanismen der Macht: Man hat sie nicht, man übt sie aus - durch rhetorische Überlegenheit, Psychodrill, Ablenkungs- und Täuschungsmanöver. Ohne Magd auch keine Domina. Das Püppchen erfüllt bis zur Selbstaufgabe jeden Wunsch, "ja, ich tu's", sie gleicht sich äußerlich ihrer Herrin an, plappert ihr allmählich nach, und am Ende sprechen sie gemeinsam im Chor. In einem Moment psychologischer Schärfe jedoch erstarrt die Herrin vor der Schönheit der auf ihren Befehl hin strippenden Magd. Das Gehabe der Domina entpuppt sich als Spiel und als Versteck ihrer selbst - während das Mädchen sich plötzlich in einer Rolle gefällt, da diese nun Macht mit sich bringt. Die Grenze zwischen Spiel und Spiel im Spiel bleibt aber leider klar gezogen - wollen doch Zaimoglu und seine Regisseurin zeigen, dass wir im täglichen Überlebenskampf, strategisch oder unfreiwillig, andauernd in Rollen schlüpfen, dass Echtheit und Künstlichkeit verschwimmen: "Sie sind noch in der Szene!", mahnt die Domina, als das Mädchen aussteigen will. Einzig das Publikum scheint tatsächlich verwirrt und traut sich nicht recht zu klatschen. Ist es auch noch in der Szene? Nein, es ist und bleibt Voyeur. Domina: "Der Mehlwurm im dunklen Parkett."