Wer hat David Kelly verraten? Wer hat zugelassen, dass der Name des Waffenexperten, der mit einem BBC-Reporter über das angeblich aufgebauschte Irak-Dossier der britischen Regierung plauderte, an die Öffentlichkeit gelangte? Der Untersuchungsausschuss des Lordrichters Hutton richtete diese Fragen jetzt zum zweiten Mal an den britischen Verteidigungsminister. Und diesmal räumte Geoff Hoon ein: Ja, nun gut, irgendwie war er es wohl doch.

Aber auch nicht wirklich. Er, Hoon, habe seine Pressestelle lediglich angewiesen, den Namen zu bestätigen, falls Journalisten David Kelly als Quelle für den BBC-Bericht nannten.

Den Verrat an seinem Mitarbeiter beging das Verteidigungsministerium also gewissermaßen nur auf Anfrage. Geteilte Schuld gleich halbe Schuld? Ganz im Gegenteil. Die Tatsache, dass Hoon das Schicksal des Regierungsberaters der Hartnäckigkeit von Journalisten überließ, offenbart eine doppelte Rückgratschwäche.

Hoon musste wissen, wie sehr es Kellys Integrität verletzte, wenn er als Informant "enttarnt" würde. Gleichwohl hat er diese Entscheidung dem Prinzip Zufall überlassen. Und dies auch nur scheinbar. In Journalistenkreisen bedurfte es keiner besonderen Cleverness, um auf David Kelly zu kommen. So viele andere Kandidaten gab es nicht. Unter Fürsorgepflicht verstand der Minister offenbar, zuerst für sich selbst zu sorgen. Und dies hat er nun auch noch verspätet eingestanden. Hoon erhärtet den Eindruck, dass eine gewisse amtsherrliche Unaufrichtigkeit symptomatisch ist für die Regierung Blair.