die zeit: Sie haben in ihrer Doktorarbeit untersucht, warum sich Studienanfänger für ein bestimmtes Fach entscheiden. Im Wesentlichen doch wohl aus Interesse?

Markus Schölling: Zumindest behaupten die meisten Studierenden das, und sie empfinden es auch so. Aber was steckt hinter dem Begriff "Interesse"? Um das herauszufinden, habe ich rund tausend Studenten an den Universitäten Wuppertal, Bochum und Rostock befragt. Die Daten zeigen, dass die Fächerwahl sehr viel mit dem Lebensstil einer Person zu tun hat. Studienrichtungen wie zum Beispiel Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften oder Jura sind Sammelbecken für einen bestimmten Menschenschlag. Es treffen sich dort Menschen mit einem jeweils ähnlichen Geschmack, ähnlichen Einstellungen und Denkweisen.

zeit: Was für einen Lebensstil haben denn zum Beispiel Ingenieurstudenten?

Schölling: Sie sind Sportfans, und wenn sie Geld übrig haben, geben sie es für Autos oder ihr Hobby aus. Sie essen gern Fleisch und Hausmannskost, eine komfortable Wohnung ist ihnen wichtig. Sie leihen sich gern mal abends ein Video aus. Ganz anders die Studenten der Literaturwissenschaften, der Geschichte und der Germanistik. Die investieren ihr Geld eher in hochwertige Lebensmittel und Theaterbesuche. Sie schätzen vegetarisches Essen und legen Wert auf eine individuelle Einrichtung.

zeit: Die Studienfachwahl als Frage des persönlichen Stils – spielt die soziale Herkunft etwa keine Rolle mehr?

Schölling: Nein, ganz im Gegenteil, sie spielt eine Riesenrolle. Der Lebensstil ist ja zum großen Teil das Ergebnis einer bestimmten Sozialisation. Das Elternhaus übt da entscheidenden Einfluss aus. Ich habe auch den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Fächerwahl untersucht: Kinder aus bestimmten sozialen Milieus sind in einzelnen Fächern überdurchschnittlich vertreten.

zeit: Zum Beispiel?