In fünf Wochen läuft das Ultimatum ab. Bis zum 31. Oktober soll der Iran den Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) Zutritt zu allen Nuklearanlagen verschaffen. Besonders verdächtig ist eine Anreicherungsanlage für Uran - außerdem plant der Iran den Bau eines Schwerwasserreaktors, in dem Waffenplutonium hergestellt werden könnte. Der Teheraner Fall ist weitaus ärger als die nukleare Rüstung Saddam Husseins, außerdem noch gut belegt, und taugliche Raketen haben die Mullahs erst am Montag wieder einmal vorgeführt.

Alles in allem erinnert die Teheraner Atomspur an die Fälle Pakistan und Nordkorea - beides Staaten, die zur Aufrüstung des Irans beitragen. Vielleicht strebt seine Regierung nur die strategisch komfortable Lage an, Atomgefechtsköpfe binnen Jahresfrist zusammenschrauben zu können. Aber eine solche Situation unterhalb der Nuklearschwelle wäre kaum beruhigend, zumal es unversehens zur Radikalisierung des Regimes kommen könnte - oder dazu, dass islamistische Hardliner der schiitischen Hisbollah Zugang zu dem gefährlichen Material verschaffen. Dieses Szenario wurde vor fünf Jahren in einem Strategiespiel der amerikanischen Regierung durchexerziert - die Lehre jener Übung lautete: So weit darf es nie kommen.

Wie einst die irakischen Machthaber geben die Iraner stets nur das zu, was ihnen bereits nachgewiesen wurde. Und jeder Versuch der IAEO, hier zu messen oder dort eine Probe zu nehmen, wird erst einmal abgelehnt - bis man sich später, unter Druck, zur Zusammenarbeit bequemt (nachdem genügend Zeit verstreichen konnte, die Spuren zu verwischen). Wie im Fall Irak sind die Opponenten wieder einmal uneins - Russland mauert, Frankreich eiert, Amerika droht. Und Deutschland? Der verschärft "kritische Dialog" mit dem Iran hat dessen Atomrüstung bislang nicht behindert.