Auf den ersten Blick lässt sich gegen das neue Steckenpferd von Kanzler Gerhard Schröder und Präsident Jacques Chirac wenig einwenden. Mit einem Investitionsprogramm wollen sie "Europa zur weltweit wettbewerbsfähigsten Region" machen. Schon der Ahnherr aller Wirtschaftsliberalen, Adam Smith, fand öffentliche Ausgaben für "Verkehrswege, Militär und Bildung" sinnvoll.

Wenn also das deutsch-französische Duo künftig mehr Geld für die Bahn, die Telematik und Forschungsinstitute ausgeben will, könnte es sich einfach auf den ehrenwerten Ökonomen berufen. Allein er taugt als Kronzeuge nicht wirklich.

Anders als Smith wollen die beiden spätberufenen Wirtschaftsexperten nämlich nicht nur die Infrastruktur verbessern (was nötig wäre). Sie stellen zugleich drei weitere Wunder in Aussicht, und die hätte der Klassiker wohl schlicht ins Reich der Fantasie verwiesen. Erstens soll die Initiative weder Deutschland noch Frankreich Geld kosten. Zweitens soll sie auch noch das Wachstum ankurbeln und drittens die Entindustrialisierung verhindern.

Wie das geht? Nun, die beiden Freunde haben ihre "Wachstumsinitiative" kurzerhand mit dem Adjektiv "europäisch" versehen und daher statt der eigenen leeren Kassen einfach die Europäische Investitionsbank (EIB) zur Finanzierung des Milliarden teuren Programmes auserkoren. Dass der italienische Finanzminister Giulio Tremonti im Sommer mit einem ähnlichen Plan bei den meisten Kollegen nur betretenes Schweigen erntete, stört die beiden wenig.

Auch die Tatsache, dass die EIB schon längst in die Infrastruktur der Mitgliedsstaaten investiert, ohne einen nennenswerten Wachstumsschub zu produzieren, hält die Freunde nicht von ihren rosigen Plänen ab. Und es schert sie offensichtlich nicht einmal, dass noch mehr Kredite der Bank zu noch besseren Konditionen irgendwie finanziert werden müssen, am Ende also neue Lasten auf die Finanzminister oder gar den Steuerzahler zukommen könnten. Was Adam Smith dazu wohl sagen würde? Vermutlich dies: "Nichts lernt die Regierung so schnell, wie den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen."