Grundsätzlich gibt es drei Klassen von Parteien. Besonders augenfällig wird die Hackordnung am Wahlabend, wenn die Zahlenfexe von ARD und ZDF ihre bunten Hochrechnungsbäumchen auf die Bildschirme zaubern. Zuerst wachsen dort die Bäumchen der großen Parteien, zu ihnen zählte früher auch die SPD (rotes Bäumchen). Dann kommen die kleinen Parteien, in der Regel sind das die Grünen (grün) und die FDP (gelb). Manchmal mogelt sich noch ein violettes Bäumchen dazwischen, mal steht es für die PDS, mal für die Freien Wähler. Schließlich bleiben als dritte Klasse die anderen Parteien übrig, deren Wählerstimmen - von den Freien Franken bis zur Partei Bibeltreuer Christen - mit einem schwarzen Bäumchen zusammengefasst werden.

In Bayern nun haben sie vor dem vergangenen Sonntag lange diskutiert, ob die FDP noch zu den kleinen oder schon zu den anderen Parteien zähle. Und dann, am Wahlabend? Als alle Aufregung mal wieder den vermeintlich Großen galt? Da streckte sich der kleine Stamm der Liberalen - locker überholte die FDP ÖDP und Republikaner - ihr Stimmenanteil wuchs von 1,7 auf 2,6 Prozent - ein Plus von mehr als 50 Prozent. Eine Traummarke, ein Rekordergebnis und eigentlich, dachten wir, eine Steilvorlage für Berlin. Wir sahen bereits, wie Guido Westerwelle die Backen bläst, das liberale Zeitalter ausruft und ganz direkt den Bundespräsidenten wählt. Aber ach, der Parteichef war enttäuscht. Das bayerische Ergebnis sei "alles andere als erfreulich". Langsam machen wir uns um die Liberalen wirklich Sorgen.