Tierschützer schlagen weltweit Alarm. Die durch ihr Klonschaf Dolly berühmte schottische Bio-Tech-Firma PPL Therapeutics sei pleite, ihre "6500 zum Teil gentechnisch veränderten Schafe sollen getötet werden". Ohnehin seien die armen Tiere "durch Genveränderung ihrer genetischen Identität und Integrität beraubt". Nun müsse ihnen die Firma wenigstens ein artgemäßes Leben ermöglichen. Daher verlangen die Aktivisten "die sofortige Übergabe der Tiere an Gnadenhöfe".

Tatsächlich geht es PPL Therapeutics miserabel. Ihr Konzept, aus Schafen Medikamente zu melken, ist vorerst gescheitert. Die transgenen Tiere sollten in ihrer Milch menschliche Eiweiße produzieren. Etwa Fibrin, das Wunden verschließt, oder AAT, ein Protein, das Tausenden Lungenkranken wegen eines Erbdefekts fehlt. AAT sollte das Atmen erleichtern. Das Medikament hatte klinische Tests bereits bestanden, doch die teure dritte Prüfung will keiner bezahlen. Im Juni stieg die Bayer AG aus, PPL musste zwei Dritteln seiner Mitarbeiter kündigen. Seit Mitte September wird ein Käufer gesucht. Analysten machen den PPL-Aktionären wenig Hoffnung, dass sich ein Retter für ihre Schäfchen findet.

Die einstige Vorzeigefirma wurde im Februar 1997 weltberühmt, als sie und das benachbarte Roslin Institute Dolly vorstellten. Der blökende Medienstar löste ein globales Klonfieber aus. Der Börsenwert von PPL überstieg bald 500 Millionen Pfund, ein Milliardenbusiness schien geboren. Alles wurde geklont, was Milch gibt: Kühe, Ziegen, Mäuse, Katzen, Schweine. Erst im August kam das Klonpferdchen Promethea in Italien zur Welt. Seine Mutter hatte ihre eigene Kopie geboren, Weltpremiere! Demnächst wird das erste geklonte Rennpferd erwartet.

Dabei warnen Dolly-Ziehvater Ian Wilmut und sein Kollege Harry Griffin vom Roslin Institute schon lange vor den Risiken dieser Technik. Die meisten geklonten Embryonen sterben vorzeitig oder sind krank. "Klonen ist eine Lotterie", sagt Griffin. Deshalb sei es zu aufwändig und zu teuer für die Massenzucht von Tieren mit besonderen Eigenschaften. Seit Februar ist Dolly tot, die Firma bald ebenso – und damit auch das Klongeschäft?

Mitnichten. Der Niedergang von PPL hat mit Klonen nichts zu tun. Der Mythos des Klonens hat PPL reich gemacht, das eigene Missmanagement arm. Die Firma verzettelte sich in vielen Projekten, die Medikamentengewinnung aus Schafen ist teuer. So müssen die Tiere frei sein von krank machenden Eiweißen (Prionen, Scrapie, BSE) und Viren. Dolly ist offenbar nicht an Spätfolgen des Klonens gestorben, sondern an einem Virus, das Lungentumore verursacht. Ihre Mutter stammte aus einer infizierten Herde.

So wird, auch wenn PPL stirbt, die Klonlotterie weiterlaufen. Denn es gab dabei auch Sechser, Tiere, die seit Generationen gesund sind. Wo Volltreffer möglich sind, wird der Erfindergeist nicht ruhen. Hans Schuh