Er ist der Fleisch gewordene amerikanische Einwanderertraum. Schon in seinem ersten Film Herkules in New York wird Arnold Schwarzenegger 1970 als Fremdling vom Olymp in die Niederungen des New Yorker Alltags gebeamt. Zwar läuft er zu Beginn dieses Trash-Films mit einem unvorteilhaften Tunikaröckchen und in Sandalen herum, doch verströmt er die Siegesgewissheit eines Halbgotts, der den Amerikanern schon zeigen wird, was eine uralteuropäische Harke ist. Immer wieder werden seine Figuren den Amerikanern zeigen, dass ihr Traum noch funktioniert. Am skurrilsten vielleicht in Bob Rafelsons Stay Hungry (Mister Universum), wo Schwarzenegger einen österreichischen Bodybuilder spielt und sich mit zarter Selbstironie in den albernsten Posen zeigt. Als Muskeltrainer rettet er einen verwöhnten und verweichlichten, mit seinem Butler zusammenlebenden Millionärssohn vor dem Untergang – und führt eine ganze Gesellschaftsschicht mit Körperertüchtigungsparolen aus der Stagnation. Auch im wirklichen Leben zog Arnold Schwarzenegger aus dem Umgang mit Hanteln seine geradlinige Selfmade-Philosophie und prahlte vom Muskelsport als der idealen Verbindung von Karriere und Sex. "Wenn meine Muskeln anschwellen, ist das wie eine Erektion", lautete einer seiner denkwürdigen Sprüche.

Schwarzeneggers Biografen erklären den ungeheuren Ehrgeiz stets aus seiner Familiengeschichte. 1947 wurde er als Sohn eines Polizisten im Dörfchen Thal bei Graz geboren. Der Vater, ein ehemaliges NSDAP-Mitglied, drängte den kränklichen Sprössling zu sportlicher Leistung, gegen die der Sohn gewissermaßen mit Übererfüllung rebellierte. Auf die verordnete Disziplin reagierte er mit der gnadenlosen Bezwingung des eigenen Körpers – und gewann 1967 als jüngster Mann in der Geschichte dieses Wettbewerbes den Titel des Mister Universum. Nach dem Umzug in die Vereinigten Staaten verfolgte Schwarzenegger seinen Weg mit geradezu beängstigender Energie. Neben weiteren Aktivitäten als Bodybuilding-Profi und ersten Filmrollen studierte er an der University of California Psychologie, schloss sein Studium jedoch in Betriebswirtschaft ab. Er war der erste Bodybuilder, der seinen eigenen Werbemanager einstellte; als er sich endgültig zu einer Hollywood-Karriere entschloss, war er bereits Immobilien-Millionär.

Seine frühe finanzielle Unabhängigkeit wurde zum Schlüssel für Schwarzeneggers Filmlaufbahn, erlaubte sie ihm doch, immer wieder Rollen abzulehnen, die nicht in sein im Laufe der Jahre sorgfältig konstruiertes Selbstbild passten. Zum wirklichen Star wurde er in Conan der Barbar, einem Film, dessen Titel bereits Programm ist. In der Geschichte um einen vorchristlichen Schwertkämpfer, der allerlei Schlangen, Geister und Hexen zu Klump haut und einen dämonischen Herrscher bezwingt, wurde sein Körper zum ersten Mal alleiniges Zentrum eines Films. John Milius’ Streifen begründete Arnolds Image zwischen Mensch und Comic-Figur, Mythos und Muskelarbeiter, dem physischen Gesamtkunstwerk und seiner gleichzeitigen Parodie.

Es wundert nicht, dass sich gerade Andy Warhol, der größte Image-Sammler aller Zeiten, nach dem Erfolg der Conan- Filme zu einem von Schwarzeneggers vielen Entdeckern zählte. Er fotografierte den eingeölten Körper des Stars auf Polaroid und führte seinen domestizierten Barbaren durch die New Yorker Party-Szene der achtziger Jahre spazieren. Arnold war im Pophimmel angelangt.

Vielleicht hätte er noch ein paar Jahre lang in zweit- und drittklassigen Filmen den Zerstörer vom Dienst gegeben, vielleicht wäre sein Stern gesunken, sobald man sich an seinem adernzerfurchten Körper irgendwann satt gesehen hätte – doch mit einem bauernschlauen Rollen-Coup entzog sich Schwarzenegger zunächst den lästigen Alterungs- und Image-Verschleißprozessen, denen ein Action-Star normalerweise ausgesetzt ist. Er wurde zur Maschine. In James Camerons Terminator spielte er 1984 einen radikal reduzierten Kampfroboter, der aus der Zukunft kommt, um den künftigen Rebellenführer gegen die Herrschaft der Technik zu ermorden. Erst die Terminator- Filme formten Schwarzeneggers künstliche Körperlichkeit zum populärkulturellen Mythos. Erst als Cyborg entwickelte er jene Selbstironie, die zu seinem Markenzeichen werden sollte.

Es waren die Terminator- Filme, die Schwarzenegger in eine einsame Einmannliga katapultierten. Was bleibt dann noch zu tun für einen, der sich zu den höchsten Zielen gewuchtet hat? Der mit 56 Jahren einen sadomasochistischen Kraftakt vollbrachte, indem er seine normale, mit Rettungsringen und Hängebauch versehene Familienvaterfigur noch einmal zur Muskelsilhouette des Terminator 3 hochtrainierte? Es hat eine gewisse Konsequenz, dass Schwarzenegger jetzt, da es auf der Leinwand nichts mehr zu stemmen gibt, nach einer weiteren Anerkennung sucht, nach politischen Ämtern schielt und sich den Wählern stellt.

Der Durchhalte-Ideologie seines Amerikanischen Traums wird Arnold Schwarzenegger nicht abschwören. Einer, der wie er fünf Jahrzehnte lang buchstäblich über sich selbst hinausgewachsen ist, wird die Sache einfach durchziehen. Bis zum bitteren Ende.