Meinung muss - nach Hannah Arendt - auf Fakten gegründet sein, andernfalls sei Meinung an sich eine Farce. Andreas von Bülow äußerte sich kürzlich in einer Talkshow dessen ungeachtet entwaffnend ehrlich: Er müsse an seinen Verschwörungstheorien gar nichts beweisen, Beweise zu liefern sei die Aufgabe der Regierung der USA, der Medien und aller anderen, die er in seinem Buch der Unwahrheit verdächtigt. Er stellt damit eben nicht nur "unbequeme" Fragen, wie es manche seiner Verteidiger gern behaupten, sondern lässt seine Leser glauben, seine Thesen wären mehr als Fantasie.

Der Bestseller-Autor und Fantast Erich von Däniken hat einmal, in einem Anfall von Offenheit, geschrieben: "Die Gretchenfrage in meinen Büchern ist nicht: Wer hat recht? Denn daß ich nach wissenschaftlichen Kriterien mit dem von mir vorgelegten Material noch nicht Recht haben kann, war mir seit jeher klar. Meine Fragestellung lautet: Könnte es so gewesen sein?"

Wie viel Diskussion könnte man sich sparen, wenn dieses Credo auch von Bülow und andere an den Beginn ihrer Bücher stellten! Die fehlgeleitete Vernunft und das vergeudete Talent, das ist es, was an solchen Autoren herausfordert.

Dr. Mathias Seifert Dortmund

Eine Verschwörungstheorie ist immer das, was das politische Establishment und die Medien als Verschwörungstheorie ansehen - und dadurch von vornherein als verrückt gebrandmarkt und von jeder ernsthaften Auseinandersetzung ausgeschlossen. Man sollte daher sehr vorsichtig sein, was man als Verschwörungstheorie bezeichnet und was nicht. Beispielsweise finde ich die Recherchen des "zynischen Paranoikers" Michael Moore zur amerikanischen Wahl ganz und gar nicht zynisch oder paranoid, vielmehr ist es fast schon offizielle Lesart, dass bei dieser Wahl nicht unbedingt der Wille des Volkes ausschlaggebend war (zuletzt eine arte-Dokumentation und ein Spike-Lee-Kurzfilm). Moore als zynisch und paranoid zu bezeichnen bedeutet, jede Diskussion über die US-Wahl als zynisch und paranoid zu brandmarken, und das halte ich für undemokratisch.

Auch finde ich es nicht verrückt, Zweifel daran zu hegen, ob die amerikanischen Theorien von der riesengroßen, weltumspannenden, militärisch straff organisierten al-Qaida als alleinige Quelle des internationalen Terrorismus und von Osama bin Laden als einzigem Drahtzieher der 9/11-Anschläge richtig sind. Schließlich hat die jüngste Vergangenheit bewiesen, dass es die amerikanische Politik mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt.

Man sollte also überlegen, ob wirklich alles jenseits der offiziell ausgegebenen Information gleich eine Verschwörungstheorie ist. Und die Suche nach dem "radikal Dämonischen", die der Autor in den Gehirnen der Verschwörungstheoretiker geortet haben will, findet sich schließlich auch in den offiziellen Stellungnahmen der US-Regierung.