Inflation - ein kräftiges Schlagwort in der Wirtschaftspolitik. Jeder weiß: Zu hoch darf sie nicht sein, aber auch nicht zu niedrig (Vorsicht, Deflation!). Wie aber messen wir eigentlich diesen Schlüsselwert? Innerhalb der Euro-Zone errechnet sich die Inflationsrate durch den Harmonisierten Verbraucherpreis Index (HVPI). Dieser misst die Preisentwicklung in einem virtuellen Korb aus Waren und Dienstleistungen. Die britische Zentralbank hat ebenfalls einen solchen Korb. Der allerdings berücksichtigt, anders als auf dem Kontinent, auch die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt. Daraus ergibt sich der Retail Price Index (RPIX). Schatzkanzler Gordon Brown möchte nun die Außenseiterrolle Großbritanniens bei der Berechnung der Inflation aufgeben. Alsbald soll deshalb auch das Vereinigte Königreich die Methodik des HVPI annehmen. Dies diene der Transparenz und mache den innereuropäischen Vergleich einfacher. Setzt Brown diese Harmonisierung wie angekündigt im November durch, bedeutete dies zunächst, dass die Regierung das von ihr festgelegte Inflationsziel heruntersetzen müsste. Denn aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsweisen weist der HVPI zurzeit niedrigere Inflationsraten als der RPIX aus. "Dann hätte die Umstellung weiter keine Konsequenzen auf die Geldpolitik", meint Robert Barrie von Credit Suisse First Boston in London. Für manchen Kritiker sind Gordon Browns Pläne allerdings nicht sehr sinnvoll. Das Problem ist nämlich, das Schwankungen auf dem Immobilienmarkt für die britische Wirtschaft eine wesentlich gewichtigere Rolle spielen als innerhalb der Euro-Zone. Bleiben die Hauspreise außer Acht, verzerrt sich das britische Inflationsbild rasch. Man stelle sich vor: Die Hauspreise in Großbritannien fangen an zu fallen - die Inflation, berechnet nach RPIX, würde darauf reagieren und ebenfalls sinken, die Zentralbank könnte die Zinsen senken. Die nach dem HVPI errechnete Inflationsrate hingegen bliebe unverändert und würde keine Zinssenkung erforderlich machen.

"Suboptimal" nennt Joachim Fels von Morgan Stanley ein solches Szenario und fordert, dass Euroland es stattdessen den Briten gleichtun und Immobilienpreise bei der Inflationsberechnung mit einbeziehen sollte.