Heutzutage, da die Schriftsteller gerne wieder saftig erzählen und sich so, wie Peter Handke einmal gesagt hat, zu "Lesefutterknechten" machen, kann man sich kaum mehr vorstellen, mit welcher Wucht und Wut Mitte der siebziger Jahre die im Grazer Forum Stadtpark und in der Zeitschrift manuskripte versammelten Autoren literarische Konventionen zertrümmert haben. Helmut Eisendle, ausgebildeter Psychologe, beeinflusst von Fritz Mauthner und Ludwig Wittgenstein, war einer von ihnen. In Büchern wie Walder oder Die stilisierte Entwicklung einer Neurose (1972) und Jenseits der Vernunft oder Gespräche über den menschlichen Verstand (1976) ging er der Literatur auf den Grund und verlieh ihr philosophische Dignität. Eisendles Schreiben war ein strenges, zugleich heiteres Nachdenken über das Schreiben, seine Bücher waren Sprach- und Geistesübungen, aus denen man belehrt und belebt wieder auftauchte. -

Helmut Eisendle ist jetzt in Wien gestorben, 64 Jahre alt.