Seit fünf Jahren arbeitet die Archivarin Maren Horn darauf hin, nicht mehr gebraucht zu werden. In dieser Zeit kämpfte sich die 40-Jährige an der Berliner Stiftung Archiv der Akademie der Künste durch den Nachlass des 1995 verstorbenen Dramatikers Heiner Müller. Der hinterließ seine Notizen auf allem, was sich beschreiben ließ. So häuften sich in 40 Jahren 130000 Seiten Aufzeichnungen an – auf Blättern, Servietten, Einkaufszetteln, Briefumschlägen, Bierdeckeln und Zigarettenpackungen. Müllers Arbeitsweise war ungewöhnlich. Im großen zeitlichen Abständen finden sich an unterschiedlichsten Stellen Anmerkungen zum selben Projekt. Jetzt muss Maren Horn noch ein "Findbuch" redigieren, eine Art Pfadfinder durch Tausende ihrer Computereinträge zu Heiner Müller. Dann ist ihr Werk vollbracht.

Wie beißt man sich durch 130000 Blätter?

Ob 1000 oder 100000 Blatt – man muss mit der ersten Kiste beginnen und sich über Wochen, Monate einen Gesamtüberblick verschaffen, was an Manuskripten, Dokumenten, Fotos, Briefen überliefert ist. Dabei wird der Grundstein für eine behutsame Strukturierung des Nachlasses und die anschließende Verzeichnung gelegt. 15 Jahre Berufserfahrung sind hierbei natürlich hilfreich.

Wie kam das Material bei Ihnen an?

In etwa 50 Umzugskartons, verpackt in Pappschubern und Mappen.

Wie entstand diese Fülle?

Dank Heiner Müllers unermüdlicher Produktivität. Erfreulicherweise hat er alles aufgehoben.