Schafft zwei, drei, viele Vietnam - diese schneidige Parole des Revolutionsmärtyrers Che Guevara hatten deutsche Linksradikale der siebziger Jahre offenbar in den falschen Hals gekriegt. Statt den Weltimperialismus global in blutige Gefechte zu verwickeln, blieben sie daheim in Frankfurt, Berlin oder Heidelberg und schufen zwei, drei, viele revolutionäre Avantgardeparteien: KPD/AO, KPD/ML I, II und III, KBW, RK, PL/PI und so weiter und so fort. Am besten kämpft sich's halt, wenn jeder seinen eigenen Verein betreibt.

Diese eherne historische Lehre beherzigt jetzt eine neue APO und bestückt Deutschland mit zahllosen "Konventen" gegen den notorischen "Reformstau".

Bisher gibt es schon (mindestens) die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft des Exbundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer, den Bürger-Konvent des Talkshow-Dauermahners Meinhard Miegel und die Aktion Klarheit in die Politik eines Münchner Personalberaters. Nun hat das Gründungsfieber auch den früheren BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und den einstigen FDP-Vorsitzenden Otto Graf Lambsdorff erfasst. Die wollen am 3. Oktober einen Konvent für Deutschland ausrufen. Was soll der machen? Sich "der Systemblockaden annehmen und der Politik Vorschläge unterbreiten, die Deutschland wieder bewegungsfähig machen", so Henkel. Genau das also, was wir nach all den Hartz-, Rürup- und Herzog-Kommissionen noch brauchten! Allein, wie ihren Vorläufern fehlt's den neuen Kadern an einem - an der Massenbasis, die sich von ihnen in eine lichte Zukunft führen lassen will.