Als der russische Klatschreporter Artjom Butejko ein letztes Mal in den Spiegel blickt, ist er eigentlich schon tot. Wenig später wird Butejko vor seiner Haustür erschossen aufgefunden. Daneben liegt der Möchtegernganove Sanja, die Pistole in der Hand. Ein klarer Fall für die Miliz: Bevor der Krimi der 43-jährigen Polina Daschkowa richtig begonnen hat, scheint er auch schon zu Ende.

Natürlich ist nichts so, wie es am Anfang scheint. In der Mord- und Medienwelt der Russischen Orchidee und hinter der Theater-Schminke des ersten Verdachts lauert der reale Abgrund eines viel komplexeren Verbrechens.

Wie so häufig bei Daschkowa, die mit den Roman Die leichten Schritte des Wahnsinns oder Club Kalaschnikow und einer Auflage von über zwölf Millionen Exemplaren zur Königin des russischen Gesellschaftskrimis avancierte, findet sich hier das Bild einer durchweg kriminalisierten Gesellschaft, das uns auch deutsche TV-Magazine gern vom real existierenden Postkommunismus zeigen.

Vielleicht ist dies die große Schwäche des Romans: dass wir alle Vorurteile, die uns die Medien vom mafiosen Zustand Russlands präsentieren, auf fiktiver Ebene gespiegelt bestätigt finden. Oder ist das Land tatsächlich so korrupt und tot, wie es die Russische Orchidee nahe legt? So lebendig, fesselnd und raffiniert verwoben, wie Daschkowa uns ihre ungeschminkte Wahrheit aus Sex and Crime serviert, will man dies fast schon glauben.