Früher wurden Lebensgeschichten auf Zugreisen erzählt, entrollten sich Biografien dem Rhythmus der Bahnhöfe folgend. Heute bevorzugt man Airport-Lounges und Transatlantikflüge. So beginnt auch Sergej Bolmats Roman ebendort, auf dem Weg von New York nach Moskau. Erik Walberg, Anfang dreißig, kehrt nach Jahren zurück. Doch er kommt als Fremder in eine Heimat, deren grandioses Chaos über ihn hereinbricht: großspurige Banker, Studentinnen, die sich das Moschino-Täschchen als Pornodarstellerinnen finanzieren, Wodka, Bettler, dunkle Clubs – der ganze grelle Moskau-Mix. Parallel erzählt Bolmat die Geschichte des russischen Exmodels Jeanna an der Seite eines freudlosen Spießers in der mitteldeutschen Provinz. In vielen Schleifen folgt er den biografischen Bruchlinien jener Generation, deren Perspektive sich unvermutet von der sowjetischen Einheitsexistenz auf die ganze Welt ausdehnte. Er erzählt von Lebensentwürfen, denen der Boden entzogen wurde.