Noch immer geht ein tiefer Riss durch die chilenische Gesellschaft. Zwei Lager stehen sich kaum versöhnlich gegenüber: die Opfer der Diktatur, die Pinochet-Gegner, vor allem Sozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten, und die Unterstützer der Junta, hauptsächlich vertreten durch die Partei UDI.

Noch immer hat die Linke in Chile den Stallgeruch des Schlechten, des Pöbels, des Bedrohlichen für die Besitzenden. Die Menschenrechtsverletzungen gelten oft als "Kollateralschäden", Pinochet weiter als Retter des Landes vor dem Kommunismus.

Die besondere Rolle der Militärs und der Polizei zeigt, dass Chile noch kein völlig normaler, demokratischer Staat im europäischen Sinne ist. Fast täglich ist das Konterfei des Oberbefehlshabers der Streitkräfte, General Cheyre, in der Presse zu finden, direkt neben der Schlagzeile mit dem neuesten politischen Statement des Generals.

Hinzu kommen konstitutionelle Refugien der Militärs, die ihnen weiterhin eine Sonderrolle im politischen System zubilligen, beispielsweise das Recht, eine Anzahl von Senatoren aus den eigenen Reihen zu benennen.

Die enorme Polarisierung, die der 11. September der chilenischen Gesellschaft bringt, kann man im Ausland kaum nachvollziehen. Das öffentliche Leben befindet sich im Ausnahmezustand: Die Geschäfte schließen früher, der Nahverkehr wird auf ein Drittel des Normalen reduziert, ausländische Institutionen schließen aus Angst vor Besetzungen schon am Mittag.

Christian Gayoso Santiago de Chile

Jorge Edwards behauptet, ich habe "sein Buch ,Persona non grata' gehasst und eine Menge getan, um seine Veröffentlichung im deutschen Sprachraum erfolgreich zu verhindern".