Von einer neuen Weltordnung ist seit dem Irak-Krieg allemal die Rede. Doch auch kleine Ereignisse bestimmen die große Ordnung mit. Vor allem, wenn sie, Trommelschlägen gleich, aufeinander folgen.

Bei der Nato wurde vergangene Woche ein Nachfolger für den britischen Generalsekretär George Robertson gewählt, der holländische Außenminister Jaap de Hoop Scheffer. Das Auffälligste an dieser Personalie war, dass sie - anders als früher - so reibungslos beschlossen wurde. Das bereits totgesagte Bündnis hat heute gar keine Zeit mehr für die diplomatischen Balzrituale von einst. Doch dass Amerika sein ganzes Gewicht für einen Kandidaten aus einem kleinen, atlantisch orientierten Land in die Waagschale warf, zeigt, dass Washington noch immer aufgeschreckt ist vom unerwartet starken europäischen Widerstand gegen seinen Krieg - und den daraus entstandenen Versuchen, sich in der Sicherheitspolitik selbstständig zu machen.

Nicht zu Unrecht - das beweist die überraschende Entscheidung der Londoner Regierung, ihren geharnischten Protest gegen das deutsch-französische Projekt einer stärkeren europäischen Verteidigungszusammenarbeit (samt eigenem kleinen EU-Hauptquartier) aufzugeben und mitzumachen. Vielleicht ist das nur ein taktisches Manöver - die Briten betreiben ihre Unterwanderung subtiler als die Amerikaner. Es könnte aber auch sein, dass London eine lesson from Iraq gelernt hat und beschlossen hat, dass seine Zukunft in Europa liegt. Amerika sollte das jedenfalls zu denken geben.