Bislang konnten sich die deutschen Fans von Musiktauschbörsen sicher wähnen, nicht vor dem Kadi zu landen. Im Gegensatz zum amerikanischen Verband der Musikindustrie, der in den vergangenen Wochen rund 260 Raubkopierer in den USA verklagte, hatte sein deutsches Pendant auf derart rigoroses Vorgehen verzichtet. Dabei soll es laut Hartmut Spiesecke vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft auch "erst einmal bleiben". Dennoch wurde die erste Stufe im Kampf gegen den illegalen Tausch von Musikstücken im Internet gezündet.

Grundlage dafür bietet das gerade in Kraft getretene neue Urheberrechtsgesetz. Das verbietet nicht nur die Umgehung von Kopierschutzsystemen, sondern auch Privatkopien von Stücken aus offensichtlich illegalen Quellen. Und das sind nach Auffassung des Verbandes die Tauschbörsen allemal, weil die Rechteinhaber der Musikstücke dem Austausch so gut wie nie zugestimmt haben. Seit vergangener Woche erhalten nun alle Musikliebhaber, die sich mit einem besonders großen Angebot an den Tauschbörsen beteiligen, eine erste Warnung via Mail. Dabei nutzt der Musikverband ausgerechnet jene Mail-Funktionen, welche die Tauschbörsen ihren Teilnehmern anbieten, damit sie untereinander kommunizieren können.