Es beginnt unfroh am 7. August 1843, als Bedrich Smetana im Brief an seine Verlobte Katerrina die Tinte "schleuderhaft" aufs Papier gießt und zu klagen beginnt: "Nur möchte ich wünschen, mehr Geld zu haben." Wenig später wird Franz Liszt "in größter Verehrung" um 400 Florin angepumpt. Nicht nur das: Liszt möge sich Smetanas erster Komposition "gütigst annehmen", ihr "Eingang ins Publikum verschaffen" und "mich nicht den peinigenden Zweifeln überlassen". Früh neigt Smetana (1824 bis 1884) zum Jammern, später wird er Grund zum Heulen haben. Zunächst überfällt ihn ein Ohrensausen, bald verliert er ganz sein Gehör, und eine Syphilis schiebt ihn ins Abseits des Wahnsinns. Er stirbt im Irrenhaus.

Wer Smetana in dem Band Musikerbriefe begegnet (den Alena Wagnerov  und Barbora Srámková sehr zuverlässig ediert haben), kommt aus der Beklemmung nicht heraus. Immerzu Kummer, auch über den Eigenwert: "Ich fürchte, meine Musik ist nicht fröhlich genug" (1877); Smetana verleiten die Selbstzweifel zum Neid: Dvorák sei "höchst talentiert, mehr nicht". Am Ende seines Lebens spürt Smetana "das Veto des Schicksals", und man muss beim Lesen schlucken, wie dieser verzagte Künstler, der sich als Urheber einer tschechischen Nationalkunst fühlen durfte, sich seine urgesunde Musik abquälen musste.

Lektüre als Krankenbesuch: Der Befund eines Lebens schimmert durch die Briefe stärker hindurch, als ihn jede Biografie vermitteln könnte. Gewiss gibt es Leerstellen im chronologischen Verlauf, doch füllen sie die Briefe mit einem šbermaß an Erlebnisdichte. Man sieht vor dem inneren Auge eine alte Zeit aufscheinen, da ein Reisender eine kleine Ewigkeit brauchte, etwa um von Prag nach Göteborg zu gelangen.

Der von Smetana angespottete Antonin Dvorák (1841 bis 1904) tritt dagegen als Glückspilz ins Licht, seine Briefe sind unverstellt und lebenspraktisch. Dem bewunderten Freund Brahms gegenüber leistet er sich im selben Atemzug "unbegrenzte Verehrung" und "Unbescheidenheit" (1879), mit seinem Verleger Simrock springt er früh selbstbewusst um ("geben Sie 1000 Mark für das Stück"), und bald glaubt er sich dem "wahren slawischen Geist" sehr nahe gekommen.

Bei seinen Taten und Reisen, die ihn sogar in New York trotz Heimweh nur selten grämlich sein lassen, weiß sich Dvorák beschützt vom "lieben Gott", gelassen steht er im Leben, er züchtet Tauben und weiß bei Infektionen tierärztlichen Rat. Nebenbei bekommt man verblüffende Einblicke: Im März 1884 freut sich Dvorák in London auf eine Probe zu seinem Stabat mater mit "250 Sopranen, 160 Alts, 180 Tenören und 250 Bässen".

Steht Smetana für das Leiden, Dvorák für die Sonnenseite, so stehen die Briefe von Leos Janácek (1853 bis 1928) für ein Leben als Kampf. Janácek ist der sprachlich gewandteste Kopf, er kann heute geschliffene Feuilletons für die Zeitung und morgen "grobe Pistolenbriefe" schreiben, wenn seine Verlobte Zdenka ihm keine Post nach Leipzig schickt. Oft trifft man Janácek in "fiebriger Unrast" an.

Deren Ursache hat einen Namen: Kamila Stösslová, seine langjährige platonische, doch obsessiv umworbene Muse. Sie ist eine Reibfläche, an der er mit verzweifelter Inbrunst das Feuer seiner Musik entzündet. Janácek, der die "Freiheit des Gefühls" einfordert, ist dem Menschlichen hier so fanatisch nahe wie in seinen Tönen ("da darf keine Sentimentalität hin"); kein Wunder, dass er berauscht schildert, wie er "Melodiefetzen von erlauschten Tonfällen und Gesprächen" in die Sphäre der Kunst zu heben gedenkt.