Alle zwei Jahre kaufe ich irgendein Auto für 2000 Euro. Mal einen verratzten Mitsubishi, mal einen vergammelten Citroen, dann wieder einen babyblauen Ford. Das sind, wenn man fährt, jeweils total unterschiedliche Lebensgefühle. Auf diese Weise beugt man geistiger Verknöcherung vor.

Einmal hatte ich einen Trabi, um den Osten zu spüren. An den Tankstellen im Westen waren die Leute sehr nett, aber von oben herab. Eine richtig fiese Nettigkeit war das. Ein anderes Mal ist es ein Triumph Spitfire Cabrio gewesen, in Libidorot, davon habe ich mir einiges versprochen. Der Triumph war ein scharfes Teil, aber immer kaputt, ähnlich wie der Fußballer Strunz.

Zurzeit fahre ich ein schönes Mercedes Coupé aus der Ära Helmut Schmidt. Neulich seufzte das alte Coupé, räusperte sich verlegen und blieb stehen. Der ADAC kam. Der Pannenhelfer sagte: "Lichtmaschine!" Wegen meines Lebensstils brauche ich den ADAC. Ich bin trotzdem innerlich gegen den ADAC eingestellt. Ich fahre hin und wieder Rad. Im Grunde mag ich Bäume. Blumen und Gräser. Frösche. Oder auch Grillen. Das alles soll es ruhig geben. Immer, wenn ich die politischen Forderungen des ADAC lese, denke ich: "Das, was die vom ADAC sagen, ist beileibe nicht meine Meinung."

Ich habe einen Traum. In dem Traum bin ich tot, und der höchste Richter fragt mich, wieso ich seit 1991 Mitglied im ADAC war. Ich sage: "Es war mir nicht bewusst. Die haben mich ohne mein Wissen in ihre Mitgliederlisten aufgenommen. Die Namen wurden von den Fahrschulen automatisch weitergeleitet. Ich habe niemals etwas unterschrieben." Der Richter zeigt mir die unterschriebene Eintrittserklärung. Ich sage: "Wissen Sie, alle Deutschen waren im ADAC. Es war eine Art Zwangsmitgliedschaft, sonst bekam man kein Auto. Man muss es auch aus der damaligen Zeit heraus verstehen." Der Richter lacht höhnisch. Er zeigt mir Bilder von gefällten Alleebäumen und überfahrenen Rehkitzen.

Ich sage: "Na gut, ich hatte mal eine Autopanne. Der ADAC-Pannenhelfer hat mich psychologisch unter Druck gesetzt. Ich wollte mehrmals austreten. Aber im Büro war immer so viel zu tun. Das mit den Rehen wusste ich nicht, ehrlich." Der Richter schweigt. "Ich habe allerdings den ADAC für meine Zwecke instrumentalisiert. Ich hatte zum Beispiel eine Panne, der ADAC hat mein Auto flottgemacht, mit dem Auto bin ich dann ins Büro und habe einen knallharten Anti-ADAC-Artikel verfasst. Über die Präsidentenfrage. Die Zeit ist nämlich reif für eine ADAC-Präsidentin. Das ist meine heilige Überzeugung." Der höchste Richter schüttelt langsam den Kopf. Dann wache ich auf.

Ich habe eine neue Lichtmaschine einbauen lassen. Ein paar Tage später blieb der alte Mercedes hustend stehen. Der Mann in der Werkstatt sagte: "Batterie!" Zwei Wochen später stand der Mercedes tief in den Wäldern von Brandenburg. Der ADAC kam. "Eindeutig Lichtmaschine", meinte der Pannenhelfer. In Berlin untersuchte die Werkstatt die drei Wochen junge Lichtmaschine. Sie war okay. Die Monteure sagten: "Verrückt, schon wieder die Batterie." So kam die dritte Batterie in das Auto herein. Gestern blieb es ein weiteres Mal stehen. Der ADAC sagt: "Wahnsinn, unglaublich, schon wieder die Lichtmaschine." Ich aber weiß: Es ist die Strafe des höchsten Richters.

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