Angenommen, der deutsche Staat würde die in Frankreich und in den USA vorhandene Trennung von Kirche und Staat tatsächlich einhalten, stünde einem Verbot des Kopftuch- beziehungsweise Kippa- oder Kruzifixtragens nichts im Wege. Allerdings wird in den öffentlichen Schulen Frankreichs und Amerikas kein Religionsunterricht angeboten. Noch werden im Auftrag religiöser Organisationen Steuern erhoben und vom Staat eingezogen. Religionslehrer und Theologen sind dort keine Staatsdiener.

Leider wird die öffentliche Diskussion zu diesem Thema in Ihrem Lande oft unter der Annahme geführt, dass der deutsche Staat im franko-amerikanischen Sinne neutral sei. Systematisch wird Glaubensfreiheit mit Säkularismus verwechselt. Statt echter Neutralität wird eine (christlich geprägte) Toleranz gefordert und diese jener gleichgesetzt. Dabei verkennt man, wie im Beitrag von Herrn Fücks, den wahren Kern der Staatsneutralität.

Die in anderen Ländern konstitutionell verankerten Trennwände führen natürlich zu Spannungen und sogar Widerstand seitens religiöser Bürger, vor allem in den USA. Aber die Meinung amerikanischer Gerichte ist konstant geblieben und fordert genau das Gegenteil der von Herrn Fücks unterstellten "amerikanischen Gelassenheit". In einer ethnisch und religiös komplexen Gesellschaft habe die Religion in öffentlichen Schulen und Universitäten nichts zu suchen. Nur ihre Abwesenheit garantiere die Gleichbehandlung aller.

Deutschland ist davon weit entfernt, seinen nichtchristlichen Bürgern diesen neutralen Raum zu gewähren. Tatsächlich wird von Ausländern ein Säkularismus verlangt, dem sich die Deutschen nicht fügen und sich nicht fügen wollen.

Solange diese Asymmetrie besteht, kann es keine konsequente Lösung solcher Konflikte geben.

David Hyder, Konstanz

Herr Fücks sollte darauf hingewiesen werden, dass Zwangsehen in Deutschland völlig legal sind. Eine Ausländerin, die in ihrem Heimatland im Alter von 12 oder 13 Jahren zwangsverheiratet wird und dann nach Deutschland flüchtet, kann hier weder geschieden werden noch heiraten, "weil man die Gesetze anderer Länder respektieren muss", so die Auskunft hiesiger Standesämter. Es wird Zeit, solche Nonsens-Gesetze endlich abzuschaffen!