Wein-Versteherin

Wein ist mehr, als man schmeckt: Erst wenn man weiß, unter welchen Umständen er gewachsen ist und wie er verarbeitet wurde, kann man ihn wirklich verstehen. Die Engländerin Jancis Robinson zählt zu den wenigen fundierten Autoren, die den Wein im Kontext seiner Entstehung betrachten. Damit ist Robinson ein doppelter Glücksfall: Zum einen bereichert sie die männlich dominierte (oft arrogante) Szene. Zum anderen scheut sie sich nicht, kluge Kritik an den Stilblüten der Weinwelt zu üben – so auch in dem federführend von ihr verfassten Weinlexikon, das gerade in überarbeiteter Ausgabe erschienen ist. Wie kein anderes Buch gibt es Auskunft über alle wichtigen Fragen rund um das Thema Wein. Ein echtes Standardwerk: fundamental, erschöpfend, zielführend und sogar spannend zu lesen.

Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon

Hallwag, München 2003; 960 S., 99,– Euro


Tiefgründig

Martin Maria Schwarz hat auf Streifzügen stets sein Mikrofon dabei. Das stellt der Radiojournalist auf den Tisch, wenn er Winzern und Rebenzüchtern gegenübersitzt und sich in deren Geheimnisse einführen lässt. Aus fundierten, wissenschaftlichen O-Tönen, Novalis-Weisheiten und Klavierklängen entstehen so schöne CDs wie Die Welt der Rebensorten. Was zum Beispiel macht die Vielfalt des Rieslings aus? Seelenruhig erklären Gelehrte, wie an den Wurzelenden Bakterien die Mineralien in eine Form verwandeln, die von der Pflanze aufgenommen wird. Ist eine Wurzel gezwungen, sich, statt direkt unter der Grasnarbe, in der Tiefe mit Mineralien zu versorgen, entstehen neue Aromen. Die Region tut das Ihre. So kann es passieren, dass an der Mosel ein leichter Wein gedeiht – der trotzdem sehr fruchtig ist. Wegen seiner nördlichen Lage und entsprechend langsamer Entwicklung der Beeren hat er genügend Zeit, Aromen einzulagern; er liefert auch mit wenig Zucker aromatische Fruchtnoten.