In Baden-Württemberg nimmt der Kampf um die Windkraft bizarre Züge an. Am Montag musste Freiburgs grünes Stadtoberhaupt Dieter Salomon auf Geheiß des Landesvaters Erwin Teufel zwei Windrädern am Freiburger Hausberg Schauinsland rückwirkend die Baugenehmigung entziehen. Teufel findet nämlich, dass die beiden 1,8-Megawatt-Anlagen schlicht eine Landschaftsverschandelung darstellen. Weil man das im Baugenehmigungsverfahren nicht ausreichend gewürdigt habe, sei der im Januar ergangene Bescheid rechtswidrig.

Dabei hatte das Regierungspräsidium als Landesbehörde die Genehmigung mitgetragen, und auch das Wirtschaftsministerium stand bis Juli hinter dem Projekt - bis der erklärte Windkraftgegner Teufel plötzlich im Sommer den Schauinsland als persönliche Arena für einen Schaukampf gegen den grünen OB entdeckte. Seither fragt man sich nicht nur im Badischen, was eine Baugenehmigung künftig noch wert ist. Und nicht ganz zu Unrecht fürchtet Oberbürgermeister Salomon, dass "rechtschaffene Bürger bei diesem Vorgehen den Glauben an die Politik verlieren" könnten. Die faktische Konsequenz für die Betreiberfirma Regiowind und die mehr als 300 Kommanditisten hält sich derweil in Grenzen. Denn ein Abriss steht nicht auf der Agenda. Man lebe "immerhin in einem Rechtsstaat", beruhigt Regiowind-Geschäftsführer Andreas Markowsky. "Ausgeschlossen" sei daher, dass der "persönliche Geschmack eines Regierungschefs" ausreiche, um den Abriss korrekt genehmigter Anlagen zu rechtfertigen. Und wenn doch, dann kommt auf das Land eine stattliche Entschädigungszahlung zu.

Regiowind, an der auch der regionale Energieversorger Badenova beteiligt ist, hat den Gang vors Verwaltungsgericht bereits angekündigt. Und weil das Verfahren aufschiebende Wirkung hat, werden sich die Windräder weiter drehen.

Sechs bis sieben Jahre lang kann sich die Sache hinziehen. Und wer weiß schon, ob der Ministerpräsident dann noch Teufel heißt.