Keine Technik gedeiht von allein, sodass die Gesellschaft öffentliche Güter bereitstellen muss. Sie reichen vom Abbau rechtlicher Hemmnisse bis zur Regulierung der neuen Wirtschaft, von Grundsatzurteilen der Gerichte bis zur Entschädigung sozialer Technikopfer in einem Wohlfahrtsstaat. Diese wesentlichen Neuerungen sind nach aller Erfahrung deutlich langwieriger als die Einfälle genialer Erfinder in ihren Labors.

Die meisten Technologien werden erst über- und dann unterschätzt

Nur in der kurzen Phase des Technologiefiebers der späten neunziger Jahre gelang es irgendwie allen Beteiligten, solche Hemmnisse und Bedenken komplett zu verdrängen. Unternehmer und Kunden, Kleinaktionäre und Risikokapitalisten glaubten gemeinsam an eine neue Wirtschaft, die in Windeseile in Garagen, zwischen Pizzaschachteln und vielen Kaffeetassen entstehen sollte. Und obwohl viel dummes Zeug geredet wurde, waren die Macher der Dotcom-Ära hoch intelligente Leistungsträger, frisch von den besten Universitäten. Viele waren radikal gesinnt, sie probierten neue Arbeitsweisen und nie dagewesene Geschäftsmodelle aus. Sie träumten auch von einer lustigeren Arbeitswelt, aber gearbeitet haben die meisten trotzdem hart. Viele Büros der New Economy hatten gleich auch ein paar Matratzen an der Wand stehen.

Das ist auch der Grund, warum es für Optimisten eine ganz eigene Lesart des Technologiecrashs im Frühjahr 2000 gibt: Es war der Abschluss eines gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Experiments rings um die neuen Technologien – eine Art Generalprobe für die Next Economy. Big Bubbles seien eigentlich ein "Knopf zum schnellen Vorspulen des Experimentierens", hat der marktliberale amerikanische Autor Brink Lindsey einmal geschrieben. Womit das letzte Wort an den Science-Fiction-Autor und Technologieexperten Arthur C. Clarke geht. "Die kurzfristigen Auswirkungen einer neuen Technik werden meist überschätzt", hat der einmal geschrieben, "und die langfristigen unterschätzt man."