Die Apotheker sind ein streitbares Völkchen. Jahrelang kämpfte etwa die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) gegen die Liberalisierung des Arzneivertriebs. Allerdings ohne Erfolg: Vom Jahreswechsel an ist der Versandhandel mit Pillen erlaubt. Daraufhin schlug sich der Branchenverband auf die Seite der Modernisierer und bietet via Internet (www.aponet.de) nun selbst einen Lieferservice an. "Im begründeten Einzelfall", so ABDA-Geschäftsführer Rainer Braun, brächten die teilnehmenden Apotheken ihre Arzneien bis ans Krankenbett.

Das ärgert nun wieder einen Apotheker aus Baden. Sein Anwalt verschickte dieser Tage gut 1000 Unterlassungserklärungen an Anbieter des Lieferservice.

Sie sollen unterschreiben, dass sie künftig dem Internet fernbleiben und dem Anwalt je 620 Euro Gebühren überweisen. In Wirklichkeit hat der streitlustige Weißkittel aber gar nichts gegen mehr Service. Sein Mandant habe vor einigen Jahren sogar selbst Arzneien geliefert, berichtet Anwalt Nicolas Günzler.

Dafür sei der Apotheker von seinen Standesvertretern vor den Kadi gezerrt worden. Er wolle den Funktionären einen Denkzettel erteilen und setze darauf, dass seine Kollegen sich die Anwaltsgebühren von dem Verband zurückholen, der erst gegen Versand wetterte und ihn heute im Internet organisiert.