Die Gilde der Ghaddafi-Exegeten verfiel vor ein paar Wochen in eine tiefe Sinnkrise. Der Libyer, ein blutrünstiger Clown wie aus einem Stephen-King-Roman, hat fast jede Terrortruppe munitioniert, seine Gegner im Ausland massakriert, Kriege in der Nachbarschaft angezettelt, Passagierflugzeuge vom Himmel geholt. Und plötzlich die paulinische Wandlung.

Er gelobte abzulassen, die Hinterbliebenen von PanAm 101 großzügig zu entschädigen. Verwirrt murmelten Ghaddafi-watchers von "Altersweisheit", gar Läuterung. Jetzt dürfen sie wieder hoffen. Ghaddafi bleibt, was er war: der Bizarro von Tripolis.

Seine neuen Feinde sind ... die Araber! Sie besäßen weder "Mut noch Ehre, noch Stolz", weil sie die Palästinenser verraten hätten. "Tausendmal besser" seien die "reaktionären" Potentaten wie der Ägypter Faruk gewesen, hatten die doch 1948 mit ihren eigenen Truppen die Schande der israelischen Staatsgründung ausmerzen wollen. Und deshalb: "Wir sind Afrikaner, wir wollen mit euch (den Arabern) nichts mehr tun tun haben! Lasst uns in Ruhe, wir lassen euch in Ruhe."

Männer sind Memmen, Ghaddafis Hoffnung ruht auf den Frauen. Die müssten lernen, "Bombengürtel und Autobomben zu bauen, sich selbst zu opfern" im Krieg gegen Amerikaner und Juden. Spielzeug, Handtaschen, Schuhe müssten zur Bombe werden. Die Nahost-Gilde darf sich also beruhigen - wir müssen nur etwas häufiger lesen, was Ghaddafi und Kollegen nicht auf Englisch, sondern Arabisch sagen. Eine nützliche Quelle (in Übersetzung) ist Memri.org.