War Marco Polo nur ein Hochstapler, der China aus der Fantasie beschrieb, anstatt es wirklich zu bereisen? Hat der venezianische Kaufmannssohn die Schilfhäuser von Basra und die Rohfleischesser von Yunnan frei erfunden, um die Leser seiner Aufzeichnungen "Die Wunder der Welt" zu blenden? Während manche Experten die Glaubwürdigkeit des großen Forschungsreisenden infrage stellen, hat der Fotograf Michael Yamashita vier Kameras, ein Dutzend Linsen und 1000 Filmrollen eingepackt und sich zwecks Spurensuche aufgemacht. "Marco Polo. Eine wundersame Reise" heißt sein Werk der 360 Bilder – ein Kaleidoskop von Porträts, Reportage- und Landschaftsaufnahmen. Gut zwei Jahre brauchte Yamashita für die Tour, die den berühmten Abenteurer des 13. Jahrhunderts 24 Jahre kostete: von Venedig über den Irak, Iran, Afghanistan (unser Bild zeigt eine Frau in der Burka mit ihren Kindern), Tibet bis nach Peking und an den Küsten Sumatras, Sri Lankas und Indiens zurück. Seine wunderbare Bilderreise mit den etwas spärlichen Begleittexten dokumentiert, dass Marco Polos Fabelwelt höchstens ein bisschen ausgedacht war und ansonsten quicklebendig ist. Es gibt sie nämlich immer noch: die Schilfhäuser und Rohfleischesser, die Jade-Minen von Khotan und die singenden Dünen von Dunhuang. Nur die Reisebedingungen haben sich geändert. Statt alter Sorgen wegen Krankheit und Banditen droht nun neue Gefahr durch Autopannen oder vermintes Gelände. CS

Michael Yamashita: "Marco Polo. Eine wundersame Reise"

aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi; Frederking & Thaler Verlag, München 2003; 504 S., 29,90 Euro