Der stärkste Satz zuerst: Es ist großartig, für die Brigitte zu arbeiten, ich liebe die Kolleginnen dort und werde sie erst in Ruhe lassen, wenn sie mein Gesicht nicht mehr sehen können.

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Schleimer, Weichei und so, die Netteren unter Ihnen werden mich bemitleiden und beklagen, was junge Menschen in diesen Zeiten für ein paar Aufträge so alles tun müssen. Sie irren. Ja, ich bin ein Mann, der vor allem für eine Frauenzeitschrift schreibt – genauer: die Frauenzeitschrift –, und es geht mir gut damit. Man hält mich artgerecht und relativ respektvoll, die Fütterungszeiten werden eingehalten, und manchmal wuschelt mir jemand meinen Kopf. Die Brigitte hat sich an mich gewöhnt in den letzten sechs Jahren, und ich könnte gar nicht mehr ohne sie.

Es gab mal Zeiten, da war das Männerklo bei der Brigitte der einsamste Ort der Welt. In dieser Zeit habe ich dort angefangen, mehr aus Zufall: Ich war auf der Journalistenschule, und mein Praktikum bei einer Wochenzeitung war gerade geplatzt. Nirgendwo war etwas zu bekommen – bloß die Brigitte hatte noch ein Plätzchen frei. Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Viele Kerle gab es damals nicht in der Redaktion, Kulturressortleiter Kester Schlenz war auf unserem Flur so ziemlich der einzige Typ.

Meine Herren Mitschüler auf der Henri-Nannen-Schule strebten zum Spiegel , zum stern , zur ZEIT – zur Brigitte wollte kein Schwein. Schnell wurde mir klar, wie doof das war. Denn erstens machen die bekanntlich erstklassigen Journalismus. Und zweitens: Es fühlte sich … tja … irgendwie … kuschelig an, dort zu sein. Warm. Scheiß auf die Vorurteile der anderen, sagte ich mir am Ende des Praktikums. Ich habe Kester Schlenz gefragt, ob ich bleiben darf. Ich durfte.

Schnell beschlich mich der Verdacht, Schlenz hätte mich nur eingestellt, damit er jemanden hätte, mit dem er versaute Witze austauschen kann. Bis ich merkte: Die Mädels in meinem Umfeld haben’s genauso drauf. Nach einem halben Dutzend Jahren Brigitte- Erfahrung kann ich jeden Herrenabend mit Zoten füllen.

Mittlerweile bin ich freier Journalist, mache bei der Brigitte aber immer noch die Musikseite. Das ist ein schöner Job. Ich bekomme alle relevanten CDs der Welt frei Haus auf meinen Schreibtisch und muss im Monat über zehn schreiben, die ich mag. Das macht mich zwar nicht zum Experten, aber alle denken, ich sei einer. Die Brigitte hat über 800000 Auflage. Das macht sie interessant. Platten-Promoter verkaufen mir ihre Sachen immer als "Frauenmusik". Was für ein Blödsinn. Wenn ich sage, Travis ist Frauenmusik, dann ist das so, basta.

Experte bin ich auch für sämtliche männlichen Sichtweisen in allen Fragen des Lebens. Dazu hat mich die Brigitte gemacht. Über was habe ich nicht alles geschrieben: meine Freundin, meinen Sohn, über Treue, Hausarbeit, Grillen, Sex – sogar zu Cock-Ringen wurde ich um meine Meinung gefragt. Ich werde hier für fast alles gebucht. Reisegeschichten. Reportagen. Porträts. Ich habe Weihnachtsgeschichten geschrieben und Bildunterschriften für High Heels. Ich schreibe Psychogeschichten und immer wieder, wie hier, über mich und mein Leben. Das ist nicht die große Welt. Sondern die kleine. Meine. Unsere. Die Welt von mehr als 50 Prozent aller Menschen. Verstehe ich Frauen deshalb besser? Kein Stück. Ich bin bloß im Überfluss mit ihnen zusammen. Das bringt mich ihnen nahe, aber was an George Clooney nun so toll ist, habe ich bis heute nicht kapiert.

Für die Brigitte zu arbeiten ist wie nach Hause kommen. Das versteht nicht jeder, schon gar nicht diese Pappnasen vom manager magazin: Als wir (alle Brigitte- Männer) denen beim verlagsinternen Fußballturnier gegenüberstanden, kamen Sprüche wie "Habt ihr euer Strickzeug dabei, Mädels?" Wir haben die Spacken mit 3:0 vom Acker gejagt.